Dienstag, 5. September 2017

Meine Last ist leicht

Vorbemerkung: Den "Ohrwurm"-Beitrag gab ich auch der Geschäftsführung von LDS BOOKS zur Kenntnis, weil ich darin auf die Verlags-Publikation "Die Lieder der Heiligen" von K.L. Bennion verwiesen hatte. Darauf meldete sich der Verleger Erwin Roth und wir vereinbarten, dass ich von nun an monatlich einmal über einen Gedanken aus jeweils einem der Publikationen schreibe, der mich bewegt hat, um mit der Zeit einen Schatz zu heben, der in meinem Bücherregal schlummert.  Vielleicht regen diese Gedanken dazu an, die früheren Quartalsbände noch einmal in die Hand zu nehmen und selbst darin zu lesen oder die angesammelten Bände in einem Nachlass für die Familie weiter aufzubewahren
C.N. Okazaki (1926-2011)
Anfangen möchte ich mit "Nimm´s nicht so schwer!" von Chieko N. Okazaki, LDS BOOKS, Bad Reichenhall 1995. Diesen Band hatten unsere Freunde mit in den Urlaub gebracht und jeden Morgen haben wir mit einem Kapitel ihres geistigen Lichts in unseren Tag leuchten lassen. Schwester Okazaki stammte aus einfachsten Verhältnissen und wurde erste Asiatin auf der Führungsebene der Kirche. So kann man von ihr lernen, wie gesellschaftliche Schranken zu überwinden sind und die Vielfalt einer multikulturellen Lebensraums als Bereicherung erfahren wird. Sie hatte buddhistische Glaubenswurzeln und konnte im Regenbogen Christus nicht nur in Richtung des Bogens als Brückenbauer sondern auch quer dazu in den vielfältigen Spektralfarben als Vermittler erkennen. "Was ist ein Regenbogen? Ein Regenbogen ist eine besondere Erscheinungsform von Licht. Was hat Gott als erstes ... geschaffen? ... Licht ... Ich möchte dasselbe sagen: <Es werde Licht!> - Licht in allen Farben - Rot, Orange, Gelb, Grün Blau und Violett." (S. 11; vgl. AT, Genesis 1:3; https://www.bibleserver.com/text/EU/1.Mose1)
Das vorliegende Buch ist zuerst für Frauen geschrieben, denn es sind vor allem überarbeitete Ansprachen, die Chieko Okazaki auf Schwesternkonferenzen gehalten hat. Für Männer ist es ebenfalls lesenswert, weil sie das vorbildliche Verhalten ihres für sie zu früh verstorbenen Ehepartners Ed beschreibt: "Ed und mir wurden viele wunderbare Gelegenheiten zuteil, anderen zu dienen ... Ed war der erste Amerikaner japanischer Abstammung, der ... Verwaltungsdirektor der Heimhilfe des Roten Kreuzes in Salt Lake City wurde." (S. 96)
Schwester Okazaki war Grundschullehrerin. So konnte sie auch Kinder ansprechen. Eine kleine Begebenheit zu Schuljahrsanfang scheint kaum bemerkenswert. Sie ruft eine Erstkläßlerin auf und sagt, als diese zu ihr kommt: "Beth Benson - du hast deine Haarschleifen ja ganz besonders schön gebunden!" Beth sagte: "Mein Papa ist ein Apostel der Kirche." (S. 47) Erwähnenswert ist für mich diese Behgebenheit, weil ich Beth Benson als junge Frau bei der Vorbereitung einer Freudecho-Tagung in Frankfurt als Tochter des damaligen Gebiets- und späteren Präsidenten der Kirche persönlich kennenlernte. Sie war zuständig für die Choreografie der Volkstänze, die bis zur farblichen Abstimmung der Tanzkleider reichte.
Ich halte das Buch auch für Jugendliche lesenswert, weil es vielfältig ermutigende Orientierung gibt.
So empfiehlt die Autorin z.B., stete nach Gelegenheiten zum Dienen zu trachten. "Ich habe schon erzählt, wie ich .... für meine Mutter die Kohlenschaufel holte oder ihr beim Geschirrtrocknen half oder die Wäsche ausspülte, ehe sie sie auf dem Scheuerbrett scheuerte. Dadurch bekam ich einen Blick dafür, was noch getan werden musste, und ich lernte etwas zu tun, ohne dazu aufgefordert oder eingeladen worden zu sein." (S. 100)
Geradezu kostbar sind Okazakis Gedanken, die uns auffordern, Christus die Tür zu öffnen, denn nur so kann sich die Verheißung des Buchtitels erfüllen, dass die Last, die Christus uns aufgibt zu tragen, leicht ist. "Wenn wir Gott mit aller <Macht, ganzem Sinn und aller Kraft> lieben, dann steht uns die Tür offen. ... Jesus (sagt) noch etwas zu dieser Tür: <Ich stehe vor der Tür und klopfe an> ... und warte. Er wartet, bis wir seine Stimme hören und die Tür öffnen." (S. 149; vgl. NT, Offenbarung 3:20; https://www.bibleserver.com/text/EU/Offenbarung3)
Schwester Okazaki folgert daraus: "Anstatt unser religiöses Leben in ein Extrazimmer zu verbannen, sollten wir es als Farbe an den Wänden all unserer Zimmer betrachten. ... Unser geistiges Leben sollte unser Leben selbst sein, und nicht nur ein Teil unseres Lebens." (S. 152) Das Gebet ist das Mittel schlechthin, durch das man die Tür ... öffnet. ... Der Vater im Himmel (will) nicht nur schöne Gebete hören. Er möchte echte Gebete hören, echte und ehrliche Gebete." (S. 162)
In einem Nachwort beschreibt Schwester Okazaki, wie ihr Christus in der schwersten Lebensphase half, als Ed durch einen Herzinfarkt plötzlich von ihrer Seite und aus dem Leben gerissen wurde.
Ich lege dieses Buch dankbar ins Regal zurück und hoffe, dass ich jetzt öfter darauf zurückgreife sowie dass es spätestens in meinem Nachlass freudig wieder entdeckt wird.




Dienstag, 29. August 2017

Anstand lernen

Axel Hacke
Das Titelthema der ZEIT vom 24 August "Plädoyer für den Anstand" ist Anregung für einen erneuten Leserbrief. Mir fehlen mögliche Maßnahmen, die den mir sympathischen Einsatz für Anstand umsetzbar machen. Im berufspädagogischen Studium hatte ich für ein Proseminar das Buch "Einfache Sittlichkeit" zu beschaffen, von dem aktuell zu lesen ist: < Im Antiquariat finde ich Otto Friedrich Bollnow, Einfache Sittlichkeit, Göttingen 1957. „Das liest heute keiner mehr. Und auch die Universität hat ihn vergessen. Auch die Philosophen und Pädagogen.“ > Soll es dem Essayisten Axel Hacke mit seiner Schrift "Über den Anstand" bald ähnlich gehen? Das wäre bedauerlich, denn wie der Autor richtig schreibt, "schwappt seit einer Weile nicht bloß eine Woge der Anstandslosigkeit um die Welt - es tobt ein Ozean. Das ist mehr als ein moralisches Problem. Auf dem Spiel steht das Funktionieren unserer Gesellschaft." 
Evangelisch erzogen, stellte sich mir schon sehr bald die Frage, was die Urkirche so stark wachsen ließ. Zwar entwickelte sie sich unter der römischen Herrschaft weiter, verlor aber die den Einzelmenschen als Kind Gottes fördernde Struktur, was schließlich zum Glaubensabfall und damit zum dunklen Mittelalter führte. -
Ich bin Mitglied in der 1830 durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und erlebe in ihr ähnliches Wachstum wie zu Christi Zeiten. Entscheidend für den Anstand ist dabei das persönliche Wachstum in einem Erfahrungsraum, der sich von Familie und Kirchengemeinde aus erschließt.
Familienfeier in Dossenheim
Das können beispielhaft Beobachtungen im Zusammenhang mit einem Familienfoto belegen, das am letzten Sonntag entstand. Wir feierten den 12. Geburtstag
unseres zweitältesten Enkelsohns und damit verbunden die Übertragung des Aaronischen Priestertums auf ihn sowie seine Ordinierung darin zum Diakon. Letztlich feierten wir seinen Übergang vom Kind zum Jugendlichen. Zunächst waren alle zwar sommerlich, aber doch nach unserem Verständnis anständig d.h. sonntäglich gekleidet. Auffallend sind die weißen Hemden und die Krawatten, die Priestertumsträger in der Kirche tragen, wenn sie dort amtieren. 
der junge Diakon
Von den Sonntagsversammlungen zurück, sehen wir Sohn und Vater sowie die beiden Großväter, dazu Mutter und Großmütter sowie die vier weiteren Geschwister. Wie wichtig uns dieses Familienereignis war, lässt sich vielleicht daran ablesen, dass meine Frau und ich den Urlaub in Dänemark, einen Tag früher als mit Freunden gebucht, abschlossen und mit dem Auto etwa 1000 km Anfahrtsweg hatten, während die beiden anderen Großeltern etwa 600 km mit der Bahn anreisten. 

Mit 8 Jahren, dem Alter der Verantwortlichkeit, werden Kinder getauft. Die damit verbundene Bündnisverpflichtung lautet: den Namen Christi auf sich zu nehmen und fortan als Christ zu handeln. Schulische Zeugnisvermerke beschreiben, dass sich alle schulpflichtigen Enkelkinder anständig benehmen und in die Klassengemeinschaft einfügen können sowie bemerkenswerte Bereitschaft zeigen, ihren Mitschülern zu helfen. Auch belegen überdurchschnittlichen Zensuren ihre Leistungsbereitschaft. Anstatt eines "täglichen Lebensgewurstel", wie Hacke das nennt, hat sich in Ansätzen schon ein Ideal als Maxime entwickelt, als Kind Gottes den Ansprüchen von Bürgern und Hausgenossen Gottes gerecht werden zu wollen. 
Das Aaronische Priestertum kennt die vier Ämter Diakons, Lehrer, Priester und Bischof. Keiner nimmt sich selbst die Ehre, sondern wird zu seinem Amt berufen und durch bevollmächtigte Priestertumsträger eingesetzt. In jedem Amt arbeitet er in der Regel zwei Jahre (der Bischof 5 Jahre). Der Diakon hat Aufgaben im Rahmen der Gemeinde zu erfüllen (z. B. Abendmahl austeilen, Anwesenheit zählen und Bote des Bischofs zu sein). Der Lehrer beteiligt sich als Juniorpartner an den monatlichen Heimlehrbesuchen, die er terminlich und inhaltlich vorbereiten darf. Er hat über die Kirche (ihre Lehre) zu wachen. Der Priester bereitet sich auf seine zweijährige Mission vor. Er darf in der Gemeinde das Abendmahl segnen und Täufer sein. Jede Altersgruppe bildet ein sich selbst fürsorglich verwaltendes Kollegium. Über das Priesterkollegium präsidiert der Bischof. So wird in konzentrischen Bahnen beständig eingeübt, was Hacke richtig formuliert: "Es geht, wenn wir von Anstand reden, um ... das Zusammenleben als Einzelner mit anderen - und dieses Zusammenleben bedeutet nicht, gegen andere anzukämpfen, sondern (zielführend, d.h. in die Gegenwart Gottes zurückführend) etwas für sie zu tun." Alles wird ehrenamtlich getan und ist mit Opfer an Zeit und Aufmerksamkeit für den Nächsten, der  "Bruder" oder "Schwester" ist, verbunden. Geschwister sind im Gegensatz zu Freunden nicht auswählbar. Der Nächste werden "alle Arten von Menschen sein." 
Nützlich ist hier ein absicherndes Nachschlagen in den Heiligen Schriften. Dort steht: "Ihre Stellung im Dienst des Hauses des Herrn an der Seite der Söhne Aarons verpflichtet sie vielmehr zur Aufsicht über die Höfe und Kammern, zur Reinigung alles Heiligen, zum Dienst im Haus Gottes." (AT, Chronik 23:28; https://www.bibleserver.com/text/EU/1.Chronik23) Es nimmt sich keiner selbst die Ehre. (NT, Hebräer 5:4; https://www.bibleserver.com/text/EU/Hebr%C3%A4er5)
Die Übertragung des Priestertums in der Neuzeit und der Vollmachtslinie von Johannes dem Täufer geschah, wie in der Lebensgeschichte  von Joseph Schmidt beschrieben: KP, JSLG 1:69; https://www.lds.org/scriptures/pgp/js-h/1?lang=deu)
Im Zusammmenhang mit dem Anstand ist besonders die Wirkung des priesterlichen Dienstes herauszustellen: "Und er (Jesus Christus) wird sitzen wie einer, der Silber schmilzt und reinigt, und er wird die Söhne Levi rein machen und sie wie Gold und Silber läutern ..." (BM, 3. Nephi 24:3; https://www.lds.org/scriptures/bofm/3-ne/24?lang=deu)
Ich möchte abschließend eine mir nicht aus dem Kopf gehende Frage auf einem alten Missionblättchen in Erinnerung bringen: "Warum gehst Du nicht am Sonntag mit Deiner Familie in Deine Kirche?" Wo könntest Du besser, wenn sie richtig aufgebaut ist und alle als Gemeinde in ihren jeweiligen Berufungen zusammenarbeiten, auch heute noch Anstand lernen? Ohne Glauben daran, dass alle Menschen Kinder Gottes sind, die sich später einmal vor ihm für ihr irdisches Leben rechtfertigen müssen, könnte ich nur schwerlich Anstand bewahren. 
p.s.  Auf einen kritischen Kommentar hin habe ich erklärend geschrieben: "Ich hatte das ZEIT-Essay gelesen und vermisste den Aspekt, Anstand zu üben. Meiner Meinung nach gibt es heute vor allem in der Kirchengemeinde mit einer Fülle von Kontakten in vertrautem Umfeld Gelegenheit, ihn zu üben. ... Als Familien besuchen wir uns heute nicht mehr so oft wie früher, als ich selbst noch Kind war. Diese Zusammenkünfte sind selbstverständlich auch Übungsfeld für Anstand. Wie aufmerksam begrüßt z.B. die Familie ihren Besuch besonders auch dann, wenn mehrere kommen? Ich beobachtete z. B. beim Eintreffen des zweiten Großelternpaars, dass die Kinder mit einem Computerspiel beschäftigt waren und deshalb nicht aufstanden um sich zum Wohnungeingang zu bewegen. Es genügte aber meine kurze Erinnerung: "Ihr solltet doch jetzt Eure Großeltern begrüßen", um sie in Bewegung zu setzen."

 

Montag, 21. August 2017

Die Macht des Buches Mormon (BM)


Präsident Thomas S. Monson
Heute ist der 90. Geburtstag von Präsident Monson. Er hat in der letzten Frühjahrs-Generalkonferenz  die Mitglieder inständig aufgefordert, jeden Tag gebeterfüllt im Buch Mormon zu lesen, darüber nachzudenken und seine Lehren im täglichen Leben anzuwenden (https://www.lds.org/liahona/2017/05/sunday-morning-session/the-power-of-the-book-of-mormon?lang=deu). Wenn wir den Leseauftrag noch nicht angenommen haben, wäre dazu heute eine schöne Gelegenheit. Präsident Monson verheißt uns  dafür ein starkes Zeugnis von unserm Erretter Jesus Christus sowie seinem Evangelium und größeren Schutz vor Sünde und Bösem. 
Öfter wird von Außenstehenden gefragt, warum wir das Buch Mormon überhaupt brauchen. Als Christen sollten wir doch mit der Bibel auskommen können.
Schlussstein eines Deckengewölbes
Als gelernter Maurer antworte ich dann gern, wie schon früher einmal ausgeführt, mit dem Bild eines Hauses, zu dem man Fundament (AT), Eckstein und damit Wände (NT), Decke oder Gewölbe und damit Schlussstein (BM), Dachsteine (LuB) sowie Fliesen für den Ausbau (KP) braucht. Geht es nur um das zusätzliche Buch Mormon, dann würde ich eher mit der Notwendigkeit zweier Zeugen antworten. Das BM wird als zweiter Zeuge für Jesus Christus bezeichnet. 

Unter der gleichen Überschrift stand am letzten Sonntag der Unterricht in den Priestertumsklasssen und der Frauenhilsvereinigung (https://www.lds.org/manual/teachings-of-presidents-of-the-church-gordon-b-hinckley/chapter-16-the-power-of-the-book-of-mormon?lang=deu). Dort erfuhren wir vom verstorbenen Präsidenten Gordon B. Hinckley, welchen Segen es für ihn bedeutete, aus Gewohnheit von seiner Jugend an täglich in den Heiligen Schriten zu lesen: „Als Missionar las ich jeden Abend, ehe ich zu Bett ging, einige Kapitel im Buch Mormon ... und in mein Herz zog eine Überzeugung ein, die mich nie mehr verlassen hat, nämlich dass dies das Wort Gottes ist, das durch die Macht des Allmächtigen wieder auf die Erde gebracht und durch die Gabe und Macht Gottes übersetzt worden ist, um die Juden und auch die Andern davon zu überzeugen, dass Jesus der Christus ist.“
Gemeinsam legen die Bibel und das Buch Mormon machtvoll Zeugnis von Jesus Christus ab. Beispielsweise lesen wir im Neuen Testament: "Und er geriet in Todesangst und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen." (NT, Lukas 22:44; https://www.bibleserver.com/text/LUT/Lukas22). Im Buch Mormon finden wir diese Begebenheit als Prophezeiung des Königs Benjamin: "Und siehe, er wird Versuchungen erleiden und körperliche Pein, Hunger, Durst und Erschöpfung, selbst mehr, als ein Mensch ertragen kann, ohne daran zu sterben; denn siehe, Blut kommt aus jeder Pore, so groß wird sein Schmerz wegen der Schlechtigkeit und der Greuel seines Volkes sein. Und er wird Jesus Christus heißen, der Sohn Gottes, der Vater des Himmels und der Erde, der Schöpfer aller Dinge von Anfang an; und seine Mutter wird Maria heißen. Und siehe, er kommt zu den Seinen, damit den Menschenkindern Errettung zuteil werde, ja, durch Glauben an seinen Namen; aber selbst nach all dem werden sie ihn für einen Menschen halten und sagen, er habe einen Teufel, und werden ihn geißeln und werden ihn kreuzigen." (BM, Mosiah 3:7-9; https://www.lds.org/scriptures/bofm/mosiah/3?lang=deu)
Lebensverändernde Macht des Heilgen Geistes, durch das Buch Mormon angeregt, wird in uns wirken. Am Ende des letzten Kapitels des Buches heißt es: "Und ich möchte euch ermahnen: Wenn ihr dieses hier empfangt, so fragt Gott, den Ewigen Vater, im Namen Christi, ob es wahr ist; und wenn ihr mit aufrichtigem Herzen, mit wirklichem Vorsatz fragt und Glauben an Christus habt, wird er euch durch die Macht des Heiligen Geistes kundtun, daß es wahr ist." (BM, Moroni 10:4; https://www.lds.org/scriptures/bofm/moro/10?lang=deu) Aufrichtig sein, mit dem wirklichem Vorsatz, gläubig eine Lebensveränderung zuzulassen, sind also Voraussetzung. 
Ein mich besonders ansprechendes Beispiel,  das ein Bankangestellter aus Kalifornien erzählt hat, möge das belegen: < Er hat erzählt, dass seine Sekretärin geraucht hat, und zwar permanent. Sie war Kettenraucherin. Sie konnte es einfach nicht lassen. Eines Tages fragte sie ihn: "Wie schaffe ich es nur, aufzuhören?" Er griff in seinen Schreibtisch, nahm ein Buch Mormon heraus und gab es ihr. Er forderte sie auf: "Hier, lies das." Sie entgegnete: "Gut, ich werde es lesen.
Ein paar Tage später kam sie wieder und sagte: "Ich habe 200 Seiten gelesen, aber das Wort rauchen habe ich nirgendwo gefunden. Auch das Wort Tabak habe ich nirgendwo gefunden. Ich habe nichts gefunden, was darauf hindeutet." Er sagte: "Lies weiter."
Ein paar Tage später kam sie wieder zu ihm und sagte: "Ich habe noch 200 Seiten gelesen – es steht da nichts über das Rauchen, nichts über Nikotin, nichts was irgendwie mit Tabak zu tun hat." Er sagte: "Lies weiter." Drei, vier Tage später kam sie erneut zu ihm. Sie sagte: "Ich habe das ganze Buch gelesen. Da stand nirgendwo etwas von Tabak und auch nichts vom Rauchen. Aber, ... weil ich dieses Buch gelesen habe, habe ich einen Einfluss in meinem Herzen verspürt, eine Kraft, die mir den Wunsch genommen hat, zu rauchen; und das ist wunderbar!“ >
Ähnliches ist auch aus meiner Lebensgeschichte zu berichten. Es war zunächst zwar nicht das Buch Mormon, das mich zur Änderung des  Lebenswegs bewog, sondern mehr der am Evangelium ausgerichtete und mir gefallende Lebenswandel, den ich in der Familie meines ältesten Bruders beobachten konnte. Ich schloss mich der Kirche an, obwohl ich ausgezogen war, meinen Bruder vor ihr zu warnen. Ohne die wachsende Wertschätzung des Buches Mormon wäre mein Konfessionswechsel wahrscheinlich ein Strohfeuer geblieben. Heute beglückt es mich, aufkommende Fragen mit den mir zur Verfügung stehenden Heiligen Schriften beantworten zu können und mich so im Glaubensgebäude zu Hause zu fühlen. Noch größeres Glück empfinde ich dadurch, dass auch die beiden nachfolgenden Generationen bisher diesem Weg ausnahmslos folgen.






Mittwoch, 16. August 2017

Ohrwurm: "Herrliches Zion, hehr erbaut"

Blavand dän. Nordseeküste
Atlantikwall am Strand von Blavand,
heute Woodrows originelle Maultiere

Wir sind mit Freunden in Blavand an der dänischen Nordseeküste. Am letzten Sonntag durfte ich in unserer kleinen Sonntagsschule unterrichten. Wir sprachen über die Kirchengeschichte zum Thema:  "Das Reich Gottes wird in Nauvoo  aufgerichtet." (https://www.lds.org/manual/doctrine-and-covenants-and-church-history-class-member-study-guide/lesson-29-building-the-kingdom-of-god-in-nauvoo-illinois?lang=deu)
Um einen aktuellen Bezug herzustellen, erwähnte ich zuerst einen Kommentar zu meinem Posting "In alle Welt gehen ..." In der Kritik hieß es, dass die Kirche Jesu Christi (HLT) in Deutschland keineswegs so gute Zuwachsraten zu verzeichnen habe, wie sie in der weltweiten Statistik stehe. Was zu tun sei, wurde ich dort gefragt.
Dann berichtete ich von einem befreundeten Ehepaar, das kürzlich von einer Mission aus Nauvoo zurückgekehrt ist und dort unerträglichen Witterungsbedingungen vorfand, so dass es aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.
Die Heiligen waren aus Far West in Missouri vertrieben worden und nach Quincy in Illinois gekommen, von wo aus sie 50 km Strom aufwärts, am Ufer des Missisippis Nauvoo errichteten. Innerhalb von vier Jahren wurde die Ansiedlung zu einer der größten Städte in Illinois. Entscheidend scheint mir der Satz: "Sie fühlten sich sicher, weil ihr Prophet unter ihnen lebte und wirkte." Die Wirkung bestand darin, dass er über den Tellerrand hinausblickend viele auf Mission berief, Schriften der späteren Köstlichen Perle veröffentlichte, die Organisation der Kirche vervollständigte, indem er die Frauenhilfsvereinigung sowie Gemeinden und Pfähle gründete und die Heiligen aufforderte, erneut einen Tempel zu bauen. All das erforderte eine für uns kaum noch vorstellbare auf Glauben gegründete Opferbereitschaft. Die Missionare, die von Nauvoo ausgesandt worden waren, bekehrten Tausende Menschen. So auch Wilford Woodruff, der in England innerhalb von acht Monaten über achtzehnhundert Seelen in die Kirche brachte. Dieses Beispiel zeigt die Wichtigkeit, in Rechtschaffenheit bis zum Ende auszuharren und auf die Verheißungen Gottes zu vertrauen.
Wir haben dann gemeinsam vier Schriftstellen gelesen. In Matthäus 6:33 heißt es im Zusammenhang von falscher und rechter Sorge: "Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben." (https://www.bibleserver.com/text/EU/Matth%C3%A4us6) Im Buch Mormon steht dann konkreter: "Und nachdem ihr in Christus Hoffnung erlangt habt, werdet ihr Reichtümer erlangen, wenn ihr danach trachtet; und ihr werdet danach trachten zu dem Zweck, Gutes zu tun—die Nackten zu kleiden und die Hungrigen zu speisen und die Gefangenen freizusetzen und den Kranken und den Bedrängten Hilfe zuteil werden zu lassen." (BM, Jakob 2:19; https://www.lds.org/scriptures/bofm/jacob/2?lang=deu) In Lehre und Bündnisse lesen wir letztlich, wozu das alles nutzt: "damit die Reiche dieser Welt dazu gedrängt werden anzuerkennen, dass das Reich Zion tatsächlich das Reich unseres Gottes und seines Christus ist." (LuB 105:32; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/105?lang=deu)
Das Reich Gottes ist also Zion. Eins unserer Kirchenlieder kam mir sogleich in den Sinn und begleitet mich seitdem wie ein Ohrwurm: "Herrliches Zion, hehr erbaut ..." (https://www.youtube.com/watch?v=6XP9FFmQiz4) Das Hehre umschreibt die erbrachten Opfer. Im Schlussvers heißt es dann: "Dort zieht´s mich hin mit aller Macht, dort wo der ewige Friede lacht. Zion, Zion, liebliches Zion, herrliches Zion, Zion, unseres Gottes Stadt." Wirklich, so ist es, dort zieht es uns hin!
p.s. Eine Schlüsselstelle des mich selbst inspirierenden Unterrichts war die Lesung  des Abschnitts am Anfang der Missionsreise aus "Unsere Geschichte", S. 56: "Brigham Young war so krank, dass er selbst kurze Wege nicht ohne fremde Hilfe gehen konnte, und seinem Mitarbeiter Heber C. Kimball ging es nicht besser. Auch ihre Frauen und Kinder lagen krank im Bett. Als die beiden Apostel in einem Wagen liegend einen Höhenzug unweit ihrer Häuser erreichten, hatten sie das Gefühl, dass sie es nicht ertragen konnten, ihre Familien in einem so elenden Zustand zurückzulassen. Auf Hebers Vorschlag richteten sich beide auf, winkten mit dem Hut und riefen dreimal laut: < Hurra, hurra für Israel >. Ihre Frauen, Mary Ann und Vilate, standen unter Aufbietung all ihrer Kräfte auf. Sie lehnten beide im Türrahmen und riefen zurück: < Auf Wiedersehen, Gott segne euch >." -
Hier dachten wir darüber nach, wie es möglich ist, dass aus äußerster Schwäche sehr erfolgreiche Missionsarbeit erwuchs.
Flagge der Cook-Inseln
p.s. Der Autor des Liedtextes George Hill war kein Heiliger der Letzten Tage, sondern englischer Missionar auf Mangaia, einer der südpazifischen Cook-Inseln.
Barrow in Furness
Der Komponist Joseph G. Fones war Laienmusiker. Kurz nach seiner Bekehrung in Barrow in Furness, Nordwest-England, organisierte er einen Chor, der durch seinen Gesang große Menschenmengen anzog. Die Melodie wurde mit dem Text erstmals 1864 im Sonntagsschul-Gesangbuch der Kirche veröffentlicht. Lit.: Karen L. Davidson, Die Lieder der Heilgen, LDS Books, 2005





Montag, 7. August 2017

Bestimmte Menschen

In der allgemeinen Schwesternversammlung vor der Frühjahrsgeneralkonferenz 2017 sprach die scheidende Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung Linda K. Burton über "bestimmte Frauen"(https://www.lds.org/general-conference/2017/04/certain-women?lang=deu).
Beim Nachlesen dieser Ansprache dachte ich über bestimmte Menschen in meinem Leben nach. 
elterliche Familie etwa 1950
Da sind meine Eltern und Geschwister. Brüder und Schwestern kann man sich nicht so wie Freunde wählen, aber immer bleiben sie für mich bestimmt. -
Einmal erfuhr ich, dass meine linke Körperhälfte mehr mütterlich und die rechte stärker väterlich geprägt sei. So stammt wohl die vom Herzen getragene Glaubensstärke eher von meiner Mutter, der es zum Beispiel sehr darum ging, dass ihre Kinder getauft wurden, was in den Memelländer Dörfern, wie mein Geburtsort Sokaiten, nicht zu jeder Jahreszeit einfach zu organisieren war. Ihre Stärke bewährte sich im Zusammenhalt der Familie besonders in den Wirren der Flucht.
wir im Sommer 2015
Dann aber ist es besonders meine Frau, die bestimmt Einfluss auf mich gewonnen hat. Wir lernten uns in der Kirche kennen und  wollten auch unsere Kinder in ihr erziehen. Eine gute Freundin stellte bald fest, dass ich in Heike einen idealen Ehepartner gefunden hatte, weil durch sie meine himmelwärts fliegenden Gedanken immer wieder in die Wirklichkeit zurückgeführt wurden, was wesentlich zum gedeihlich Familienleben beitrug.
Bestimmte Frauen bei Schwester Burton sind zur Zeit Christi "Jüngerinnen, die auf den Erretter Jesus Christus ausgerichtet sind." Zu ihnen gehört auch Marta, wie ich erfreut feststelle, denn in ihrer an der praktischen Arbeit orientierten Glaubenshaltung entdecke ich meine Frau wieder. Schwester Burton merkt an, dass Bestimmtheit als Charaktereigenschaft Gewissheit, Selbstvertrauen und Treue an den Tag bringt. Nicht nur zur Anfangszeit der Wiederherstellung gesellte sich beeindruckende Opferbereitschaft dazu.
In der heutigen vom zunehmenden Egoismus geprägten Zeit, sollte die Kirche durch Menschen belebt werden, die ihren Dienst am Nächsten freudig leisten. Auch hierzu liefert Schwester Burton ein schlichtes, aber für mich sehr inspirierendes Bild.
Es zeigt die Leitung der Frauenhilfsgemeinschaft einer Gemeinde vereint um ihre Leiterin, die an Leukämie erkrankt ist und durch die Chemotherapie ihr Haar verloren hat. Alle lassen sie sich mit einer lustig aussehenden Kopfbedeckung abbilden, von der sie gerade auch eine der Kranken aufgesetzt haben. Eine ganz einfache Geste der Bereitschaft, mit unverzagtem Herzen auch schwere Last mitzutragen. Die Kapitelüberschrift inspiriert zu weitergehenden Gedanken: "Bestimmte Frauen in der heutigen Zeit denken an den Herrn und bereiten sich darauf vor, seine Wiederkehr zu feiern." Er wird kommen, um endgültig seine Herrschaft aufzurichten. Diese ist mit dem Begriff des Neues Jerusalems oder Zions umschrieben, zu dem ich heute nur Hinweise geben kann.
KP, Mose 7:18 (https://www.lds.org/scriptures/pgp/moses/7?lang=deu);  
AT, Jesaja 59:20 (https://www.bibleserver.com/text/EU/Jesaja59);
NT, Offenbarung 21:2 (https://www.bibleserver.com/text/EU/Offenbarung21);  
BM, 1. Nephi 13:37(https://www.lds.org/scriptures/bofm/1-ne/13?lang=deu);  
LuB 6:6 (https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/6?lang=deu)


Montag, 31. Juli 2017

Nach Lobenswertem trachten

Wir feierten Geburtstag im Familienkreis mit schön eingedecktem Tisch und selbst gebackenem Kuchen. Lobenswert waren die Dankeszeilen des Geburtstagskindes für unser Geschenk (ein Gutschein für Gardinen). "Hier kurze Info, was aus dem Geburtstagsgeld geworden ist. Die Vorhänge und die Kissen sind aus dem gleichen Stoff. ... Das ergibt ein schönes Bild! Ich finde das sieht richtig gut aus. Ich freu mich so! ... Hin und wieder mach ich Pause und guck mein schönes Zimmer an!" Trachten gehört zum Wortfeld "tracht". Dazu zählen betrachten, die Tracht (Honigernte oder auch typische Kleidung einer Volksgruppe), aber auch niederträchtig (herabziehend, neudeutsch fake) oder die Tracht Prügel. Im Zusammenhang mit Lob meint "trachten" sicherlich, einer von der Gruppe als Gut angesehenen Sache dauerhaft folgen.
Botticelli.
Geburt der Venus
Nun tauchte bei der Familienfeier die Frage unserer zukünftigen Kunststudentin auf, ob sie denn einen Kurs Aktmalerei belegen dürfe. Selbstverständlich habe ich geantwortet, doch gab es auch die Gegenmeinung, ob Nacktdarstellungen nicht Pornographie seien. Die Fragestellerin konterte mit einem Venus-Bild des italienischen Renaissance-Malers Botticelli auf ihrem iPhone. Das könne doch nicht Unanständiges sein! So bewegte mich die Frage weiter. An einem Morgen danach wachte ich mit dem Gedanken an den 13. Glaubensartikel auf, in dem es heißt: "Wenn etwas ... lobenswert ist, so trachten wir danach." (KP, GA 13; https://www.lds.org/scriptures/pgp/a-of-f/1?lang=deu)

Lukas Cranach,
Adam und Eva
Ich dachte an die Kunstausstellung "Lukas Cranach, Meister-Marke-Moderne", die wir kürzlich in Düsseldorf besuchten. Dort gefielen uns  die lebensgroßen Aktdarstelleungen mit religiösem oder mythischem Hintergrund. Meine Frau bemerkte am Ende des Rundgangs, dass ihr besonders der meisterliche Augenausdruck  in den dargestellten Gesichtern aufgefallen sei. Wenn sich in den Augen die Seele widerspiegelt, dann kann man folgern, dass ihre Aufmerksamkeit der Harmonie zwischen Körperdarstellung und Gesichtsausdruck galt.
Paula Becker Modersohn
Selbstbildnis
Auch erinnerte ich mich an eine früher besuchte Ausstellung in Worpswede, wo wir den ersten kunstgeschichtlich belegten Frauenakt als Selbstporträt von Paula Becker Modersohn sahen und ihrer Lebensgeschichte zuordnen konnten. Man kann aus diesen uns beeindruckenden Erlebnissen schließen, dass Aktdarstellungen nicht niederträchtig sondern erhebend wirken. Für Cranachs Zeitgenossen waren sie Ausdruck einer Kunst, die sich von der Vormundschaft der damals noch mittelalterlichen Kirche befreien wollte. Nicht zufällig folgte der Reformation die bilderstürmende Gegenreformation.
mittelalterliche
Verkündigungsdarstellung
Gerade ein Feuilletonbeitrag der "Zeit" zeigt die Aktualität. Hanno Rauterberg schreibt im Zusammenhang mit einer politisch korrekten Kunst über den "Tanz der Tugendwächter" und kommt bei der Betrachtung der diesjährigen Dokumenta zu der Ansicht, dass der Biedersinn triumphiert. Er stellt einleitend kritisch fest, dass vor nicht zu langer Zeit die Gesellschaft noch "stolz darauf (war), in der Freiheit der Kunst ihre eigene zu erblicken." (Die Zeit, 27. Juli 2017, S. 37)

Die wiederhergestellte Kirche Jesu Christi will ihre Mitglieder nicht bevormunden, sondern sie ermutigen, die Entscheidungsfreiheit als ihr höchstes Gut zu nutzen. Hilfreich könnten deshalb Schriftstellen sein, die Auskunft darüber geben, was lobenswert ist. Die Psalmen singen den Lobgesang Gottes und empfehlen uns reine Hände und ein lauteres Herz. (AT, Psalm 24:4f; https://www.bibleserver.com/text/EU/Psalm24) 
Bei Lukas lesen wir, dass Maria, bei aller Wertschätzung von Martas Diensteifer, das Bessere wählte, indem sie dem Herrn zuhörte. (NT, Lukas 10:42; https://www.bibleserver.com/text/EU/Lukas10) 
Nephis Handlungsmaxime ist sicher einprägsam: "Ich will hingehen und das tun, was der Herr geboten hat." (BM, 1. Nephi 3:7; https://www.lds.org/scriptures/bofm/1-ne/3?lang=deu)
Von den 10 Anforderungen, die in einem Abschnitt neuzeitlicher Offenbarungen genannt werden, liegt mir Demut besonders am Herzen, weil sie beständige Lernbereitschaft hervorbringt. (LuB 4:6; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/4?lang=deu) -
Vielleicht habe ich so der Fragestellerin mein "selbstverständlich" näher erklären können. Die Entscheidung, eine Aktkurs während des Kunststudiums zu belegen, wird sie nun selbst am besten treffen können.



 

Montag, 24. Juli 2017

In alle Welt gehen oder schleichend verschwinden

Die auch von mir schmerzlich empfundene hohe Zahl von Kirchenaustritten war ein Hauptthema der Wochenendausgabe unserer Tageszeitung. Über eine halbe Millionen Mitglieder verloren in Deutschland 2016 die evangelische und die katholische Kirche zusammen. Was dagegen nicht in der Zeitung stand war, dass weltweit im gleichen Jahr die Mitgliederzahl der Kirche Jesu Christi der Heilgen der Letzten Tage um über eine viertel Millionen anstieg. 1830 wurde die Kirche Jesu Christi mit 6 Mitgliedern wiederhergestellt. Etwas mehr als ein Jahrhundert später (1947) erreichte sie trotz anfangs massiver staatlicher Ausrottungsversuche die Millionengrenze. Schon 25 Jahre später (zur Zeit meiner Taufe 1962) zählte die Kirche 2,6 und aktuell (Juli 2017) wird sie die Zahl von 16 Millionen Mitglieder bereits überschritten haben. Deshalb wird es wohl nicht stimmen, dass der Grund für "das schleichende Verschwinden" christlicher Kirchenmitglieder nach dem Religionssoziologen Detlev Pollack darin zu finden ist, dass "es... für viele Menschen heute schlicht Wichtigeres als Religion (gäbe)"oder dass nach dem begleitenden Kommentar von Andreas Herholz "der mit der Zeit gehen muss, der nicht mit der Zeit geht." Wenn die Kirche sich nicht nur christlich nennt, sondern seinen Namen trägt und von einem Propheten im Namen Christi geleitet wird, dann hat sie von ihrer ursprünglichen Kraft nichts verloren und gibt ihren Mitgliedern notwendige Lebensorientierung.
Die Sonntagsschule behandelte am gestrigen Sonntag im geschichtlichen Zusammenhang den Missionsauftrag Christi: "geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern." (NT, Matthäus 28:19f; https://www.bibleserver.com/text/EU/Matth%C3%A4us28 und https://www.lds.org/manual/doctrine-and-covenants-and-church-history-class-member-study-guide/lesson-26-go-ye-into-all-the-world-and-preach-my-gospel?lang=deu) Uns wurde wieder bewusst, dass die missionarische Aufgabe gleichrangig neben der sozialen und sakramentalen steht und auch unter größten Opfern schon zu Beginn der Wiederherstellung erfüllt wurde.
G.B. Hinckley (1910-2008)
Kirchenarbeit nach G. B. Hinckley
In Salt Lake City, Bundesstaat Utah, USA,  ist der Hauptsitz der Kirche. Dort fanden 2002 die olympischen Winterspiele statt. Der damalige Prophet und Präsident der Kirche, Gordon B. Hinckley, fasste in einer anschließenden Konferenzansprache die Erfahrungen mit dem weltweit beachteten Großereignis wie folgt zusammen: " Als unsere Mitglieder vor 155 Jahren in diesem Tal ankamen, sahen sie mit prophetischer Vision eine großartige Zukunft. Aber ich frage mich manchmal, ob sie wirklich ahnten, in welchem Ausmaß ihr Traum Wirklichkeit werden sollte."  Er zitierte in dieser Ansprache auch  die Journalistin  Georgie Anne Geyer, die ihren Bericht über die Kirche, wie sie sich während der Spiele darstellte, mit folgenden Worten schloss: " Es ist einfach die Mischung aus einer ernsthaften und aufrechten Religion, aus Familien, die sich um den höchsten Grad an Kultur und gleichzeitig modernste Technologie bemühen und darauf bestehen, dass dafür Vorsorge getroffen wird, und aus einer allgemein vernünftigen Organisation und Regierung. Kurz gesagt, es ist eine moderne Mischung des alten Amerikas."  (Die Kirche geht vorwärts; https://www.lds.org/liahona/2002/07/2?lang=deu) 

 Nun besteht allerdings der Missionsauftrag schon von Adam und Evas Zeiten an. Bei Mose heißt es: "Und so fing das Evangelium an, von Anbeginn gepredigt zu werden." (KP, Mose 5:58; https://www.lds.org/scriptures/pgp/moses/5?lang=deu) Auch da ist er schon an das Bild vom guten Hirten gekoppelt. (AT, Hesekiel 34:11; https://www.bibleserver.com/text/EU/Hesekiel34). Wie Paulus wurden auch die Apostel nach der Wiederherstellung zu diesem Werk berufen. (LuB 18:9; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/18?lang=deu) Unsere große Verantwortung in dieser Arbeit macht uns Jakob, der Bruder Nephis, bewusst. (BM, Jakob 1:19; https://www.lds.org/scriptures/bofm/jacob/1?lang=deu). 
Wie ernst diese Aufgabe in der Kirche genommen wird, kann man an der Anzahl der Vollzeitmissionare ablesen, die Ende 2016 weltweit etwa 71 Tausend junge Erwachsene beiderlei Geschlechts betrug. Hinzu kamen noch  etwa 34 Tausend meist ältere Missionare im Kirchendienst, die mit entsprechendem Fachwissen die Kircheorganisationen überall auf der Welt ehrenamtlich unterstützen. Ein schleichendes Verschwinden aktiver Kirchenmitglieder ist nirgends feststellbar.
Die Verfasser der Zeitungsberichte vom letzten Wochenende schrieben, dass die christlichen Kirchen den Rückhalt besonders unter den jungen Menschen verlieren. Auch hier möchte ich noch einmal Präsident Hinckley zitieren, der nach seiner Mission festhielt: "Wie dankbar bin ich doch für das, was ich auf Mission erlebt und erfahren habe! ...  Meine Zufriedenheit rührte von der Gewissheit her, dass ich das tat, was der Herr von mir erwartete, und dass ich ein Werkzeug in seiner Hand war, um seine Ziele zu erreichen. Im Laufe dieser Erfahrung verankerte sich tief in meinem Wesen die Überzeugung und Erkenntnis, dass dies tatsächlich das wahre und lebendige Werk Gottes ist, wiederhergestellt durch einen Propheten zum Segen aller, die es annehmen und nach seinen Grundsätzen leben wollen." (https://www.lds.org/manual/teachings-of-presidents-of-the-church-gordon-b-hinckley/chapter-21-the-latter-day-miracle-of-missionary- work?lang=deu)
Wir, meine Frau und ich, haben dankbar die Erfahrung machen können, dass unsere Kinder der Kirche treu geblieben sind und sich auch die Enkelgeneration so verhält, obwohl immer viel Arbeit zu verrichten war und ist.