Dienstag, 20. Juni 2017

Sichtbar gereifter Glaube

Die ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?", die Anti-Terror-Demo "Nicht mit uns" und Fronleichnam ließen mich über sichtbaren Glauben nachdenken. Bemerkenswert ist, dass man zwar an Dinge glaubt, die man nicht sieht, aber dennoch ist der Glaube tot, wenn er keine Werke hervorbringt. Durch sie reift persönlicher Glaube heran und wird sichtbar.
Im Morgenecho (WDR 5) wurde vielfach missbrauchte Glaubensmacht  aufgedeckt, wie sie besonders in der Verbindung von Staat und Kirche droht. Zur Anti Terror Demo der Muslime in Köln kamen unerwartet wenige Glaubensanhänger, weil die entsprechenden Verbände (Machtträger) ihre Unterstützung versagten. Auch Fronleichnamsprozessionen, wie ich sie als evangelisches Kind in katholischem Umfeld jährlich erlebte, scheinen mir gereiften Glauben kaum sichtbar zu machen. Er beruht besonders in kritischer Zeit auf beharrlichem Vertrauen: "Hört mir zu, Juda und ihr Einwohner Jerusalems! Vertraut auf den Herrn, euren Gott, dann werdet ihr bestehen." (AT, 2. Chronik 20:20; https://www.bibleserver.com/text/EU/2.Chronik20)
In der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi lernte ich, dass es für uns Menschen zuerst um den Grundsatz gehen sollte, Glauben an Jesus Christus zu entwickeln. (vergleiche KP, 4. Glaubensartikel; https://www.lds.org/scriptures/pgp/a-of-f/1?lang=deu)
Johannes, wahrscheinlich ein Glaubenslehrer im ersten Jahrhundert nach Christi, vervollständigt diesen Grundsatz: "Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben." (NT, 1. Joh. 3:23; https://www.bibleserver.com/text/EU/1.Johannes3)
mein Bruder Alfred (1935-2000)
Meine Nichte Barb schrieb über ihren Vater Alfred, wie er den Glauben in sie einpflanzte und dadurch die hohe Wertschätzung seiner Tochter erwarb. Zunächst zitierte sie den amerikanischen Basketballstar Jim Valvano (1946-1993):
"Mein Vater gab mir das größte Geschenk, das man einem Menschen geben kann, er glaubte an mich. " 
Dann schreibt sie am amerikanischen Vatertag: "Mein Vater kam aus einem Umfeld, in dem Kindern nicht so oft gesagt wurde, dass man sie liebe. ... Er freute sich über meine nie verlöschende Energie. Er sah sich mit mir gerne Aufführungen an und sagte dann: Goldlocky, Du kannst es besser als alle die Mädchen und mein 10 jähriges Herz glaubte es ihm. ... Papa, danke dass du derjenige im Hintergrund warst, der uns alle anfeuerte."
Süßkirschen im Hausgarten
Wahrer Glauben baut demnach Vertrauen auf und schenkt Lebensmut.
Glauben an das Wort Gottes, denn das verstehe ich als wahr, kann man lernen. So erklärt es der Prophet Alma im Buch Mormon: "Nun wollen wir das Wort mit einem Samenkorn vergleichen. Wenn ihr nun Raum gebt, dass ein Samenkorn in euer Herz gepflanzt werden kann, siehe, ...  so wird es anfangen, in eurer Brust zu schwellen; und wenn ... das Wort gut ist, dann ... fängt (es) an, meine Seele zu erweitern; ja, es fängt an, mein Verständnis zu erleuchten; ja, es fängt an, mir köstlich zu sein." (BM, Alma 32:28; https://www.lds.org/scriptures/bofm/alma/32?lang=deu)
Was den zweiten Teil der Glaubensreifung angeht, sprechen mich die aufmunternden Worte von G.B. Hinckley (1910-2008) an, die ich in der letzten Unterrichtsvorbereitung las: "Dies ist die Zeit, denjenigen Freundlichkeit und Liebe entgegenzubringen, die in Not sind oder die in Finsternis und Schmerz umherirren. Es ist an der Zeit, einander in jeder Beziehung rücksichtsvoll und gut, anständig und höflich zu begegnen. Mit anderen Worten: Es ist an der Zeit, Christus ähnlicher zu werden." (Gehorsam: einfach nach dem Evangelium leben; https://www.lds.org/manual/teachings-of-presidents-of-the-church-gordon-b-hinckley/chapter-12-obedience-simply-live-the-gospel?lang=deu)
 Im gleichen Lehrtext findet sich ein Hinweis für die Redakteure des Morgenechos: "Das Evangelium ist keine Philosophie der Unterdrückung, wie so viele meinen. Es ist ein Plan der Freiheit, der das Verlangen zügelt und das Verhalten lenkt. Die Früchte des Plans sind süß und der Lohn ist großzügig.  Zur Lebensbewältigung ist damit jeder für sich aufgefordert, den Schild des Glaubens aufzunehmen: "Und ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr fähig seid, alle feurigen Pfeile der Schlechten auszulöschen." (LuB, 27:17; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/27?lang=deu)
Was ich glaube, erfüllt mich innerlich und ist grundlegend für mein mitmenschliches Verständnis. Entscheidend für den Wahrheitsgehalt dieses, wie ich es verstehe, christlichen Glaubens ist, dass er stets aufbauend sowie friedenstiftend, aber in keiner Weise zerstörend wirkt.


Sonntag, 11. Juni 2017

"Alle meine Söhne" und "das Zuhause"

Es war eine gute Fügung, in einer Woche das Familiendrame "Alle meine Söhne" von Arthur Miller im Schauspielhaus Bochum zu sehen und in der Kirche das Thema
" Das Zuhause – die Grundlage eines rechtschaffenen Lebens" zu besprechen.
Eingangsszene Vater ist Vater
Millers Familiendrama ist ein minimalistisches Stück, denn "alle" sind gerade einmal zwei Söhne, von denen einer noch vermisst wird. Der Vorteil ist, dass sich die Handlung auf die wesentliche Frage konzentrieren lässt, ob ein Sohn seinen Vater anzeigen darf, der als Kriegsgewinnler bewusst fehlerhafte Zylinderköpfe für Flugzeugmotoren ausliefern ließ, wodurch später Piloten abstürzten, darunter auch sein vermisster Sohn. In der Eingangsszene liest der Vater Zeitung, aber wie sich später herausstellt, nur den Anzeigenteil. Das Weltgeschehen interessiert ihn weniger. Sein Sinn und Trachten ist ganz konzentriert auf das Wohlergehen der Familie, das er mit seiner Fabrik gleich setzt. Ein deutscher Vater ist eben Vater (braun -statt schwarz -,  rot, gold und weiße Weste  - hier Hemd -). So einfach ist das (darzustellen). - Bild aus: Programmheft "Alle meine Söhne", Schauspielhaus Bochum -
Eltern unterweisen ihr Kind
Das Eingangsbild zum kirchlichen Thema zeigt junge Eltern mit ihrem Kind, das erste Schritte geht. Letztlich soll es zu einem "guten Mitbürger heranwachsen". Die Eltern verstehen sich als "Treuhänder", die von ihren Kindern "geliebt und nicht gefürchtet" werden. Ein Kind ist demnach ein "Geschenk" Gottes. Je liebe- und erwartungsvoller es unterrichtet und erzogen wird, desto wahrscheinlicher wird es einen friedlichen Charakter entwickeln. Es wird auf einer "höheren Stufe" handeln, weil es im Gebet göttlichen Beistand erfährt. Solch ein Kind kann sich auch "geborgen" fühlen, weil es von Eltern "beschützt" wird, die "ehrlich gegenüber Gott", ... "zueinander" und ... "zu ihren Mitmenschen sind".
Der ehemalige Kirchenpräsident Hinckley schließt seien Belehrungen mit dem Gebet: "O Gott, ewiger Vater, segne die Eltern, dass sie mit Liebe, Geduld und Zuspruch diejenigen belehren, die am kostbarsten sind: die Kinder, die von dir kommen; damit sie gemeinsam beschützt und in die richtige Richtung geführt werden und ... der Gesellschaft, deren Teil sie sind, Segen bringen." (https://www.lds.org/manual/teachings-of-presidents-of-the-church-gordon-b-hinckley/chapter-11-home-the-basis-of-a-righteous-life?lang=deu)
Die gute Fügung liegt einerseits in der Erkenntnis, dass einfach Vater sein bei Miller nach der Anzeige durch den Sohn mit der väterlichen Selbsttötung für die Familie chaotisch endet.
Andererseits führt dieses Erkennen zu der Einsicht, ein gutes Zuhause nicht einfach mit Glück gleichzusetzen.
Kain und Abel sind erstes Beispiel. (AT Genesis 4; https://www.bibleserver.com/text/EU/1.Mose4) Johannes berichtet nur von der Mutter Maria am Kreuz. (NT Johannes 19:25; https://www.bibleserver.com/text/EU/Johannes19) Wann ist Vater Josef aus dem Blickfeld geraten?
Auch im Buch Mormon erfahren wir von den Auseinandersetzungen in der Familie des Propheten Lehi. (BM 1. Nephi 2:11; https://www.lds.org/scriptures/bofm/1-ne/2?lang=deu).
Dennoch gilt als Grundlage rechtschaffener Lebensführung, dass Eltern ihren Kindern das Evangelium lehren (LuB 68:25; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/68.25?lang=deu#p24)  so wie es schon die ersten Eltern taten: "Und Adam und Eva priesen den Namen Gottes, und sie taten alles ihren Söhnen und ihren Töchtern kund."
(KP Mose 5:12; https://www.lds.org/scriptures/pgp/moses/5.12?lang=deu#p11)
Andreas und Katja 11. Juni 1992
Abschließend kann mehrheitlich dankbar festgestellt werden, dass Kinder den erhofften Segen bringen, wenn Eltern ihnen das Evangelium lehren und vorleben. Dann wird Freude und Lobpreis groß sein. In reichem Maße Anlass dazu gibt die Silberhochzeit unseres ältesten Sohnes Andreas mit Katja, geb. Günter. Auch sie sind ihrem Eheversprechen und Glauben treu geblieben und haben ebenso ihre beiden Töchter entsprechend belehrt und erzogen. Die Familie ist insgesamt eine der tragenden Stützen der Gemeinde Herne geworden, in der Andreas z. Zt. als Bischof dient. Wir  freuen uns, in ihrer Nähe zu wohnen. Großen Rückhalt gibt uns dabei ihre Selbstständigkeit sowie ihr Lebensmut. Beides läßt auch für die Zukunft viel Gutes hoffen.

Montag, 5. Juni 2017

Liebe hegt hohe Erwartungen

Auf der Fahrt zur Kirche hörte ich in der Sendung "Diesseits von Eden"  Gedanken zu Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes (http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-diesseits-von-eden/audio-diesseits-von-eden-ganze-sendung--192.html). Einmal regte mich der Hinweis an, dass durch die Ausschüttung des Geistes die frühen Christen Angst überwanden und zu Gemeinden zusammenwuchsen, aber auch, dass Pfingsten zusammen mit Schavuot, dem jüdischen Fest zur Gabe der Thora im Sinai, zu denken sei. Beiden Festen fehle allerdings ein Symbol wie Osterei und Weihnachtsbaum. Daran zeige sich, dass Pfingsten nicht so populär wie Weihnachten und Ostern sei.
Rose im Hausgarten
Pingstrose in der Rabatte
Dem Blumenliebhaber fällt dabei allerdings die Rose ein, die gerade in dieser Zeit die Schönheit ihrer Blüten im Hausgarten und als Pfingstrose in den Rabatten am Aufgang zum Gemeindehaus zeigt. Beide Blumen sehen herrlich aus und können wunderbar duften. Im Rundfunkbeitrag wurden dann Gaben des Geistes wie Weisheit und Verstand genannt und eine Reportage eingespielt, die Antworten einfing, wofür sich Menschen heute begeistern können. -
In der Kirche hatten wir, wie an jedem ersten Sonntag im Monat, Zeugnisversammlung. Eine Mutter berichtete in ihrem Zeugnis von dem begeisterten Klatschen ihrer  zwei noch kleinen Kinder, wenn das Auto in die Strasse zumGemeindehaus einbiegt. Offensichtlich gibt es begeisterte Kirchgänger, die in der Reportage nicht erwähnt wurden.
In der Priestertumsklasse stand am gestrigen Pfingstsonntag eine Ansprache aus der letzten Generalkonferenz im Mittelpunkt             ( https://www.lds.org/liahona/2017/05/sunday-afternoon-session/then-jesus-beholding-him-loved-him?lang=deu). Sie weckte mein Interesse, weil darin die Begegnung Christi mit dem reichen Jüngling neu interpretiert wird. Der Unterricht endete zusammenfassend mit dem Tafelbild, aus dem ich die Überschrift zu diesem Beitrag abgeleitet habe:"Weil der Herr uns liebt, erwartet er viel von uns."
Diese Erwartung betrifft meiner Meinung nach besonders unsere fortdauernde Lernbereitschaft. Am Schavout soll Tag und Nacht hindurch die Thora gelesen werden, weil die Israeliten nach jüdischer Überlieferung die Ankunft der Thora verschlafen haben. Wir kennen die Geschichte vom "goldenen Kalb", die zeigt, wie sich das Volk die lange Wartezeit bis zur Rückkehr des Mose vom Berg Horeb vertrieben hat und damit den Erwartungen Gottes nicht entsprach (AT Exodus 32; https://www.bibleserver.com/text/EU/2.Mose32). Paulus berichtet dann vom Pfingstereignis und der Predigt des Petrus, die nun alle Erwartungen erfüllte, weil jeder die Worte in seiner Sprache verstehen konnte (NT Apostelgeschichte 2; https://www.bibleserver.com/text/EU/Apostelgeschichte2). Wie hoch der Anspruch an uns ist, erfahren wir dann von Christus selbst, als er zu den Nephiten sprach: "und ihr werdet so sein, wie ich bin" (BM 3. Nephi 28:10; https://www.lds.org/scriptures/bofm/3-ne/28?lang=deu). Meine Befürchtungen, durch die Gaben des Geistes vielleicht unkontrolliert abzuheben, wurden in den neuzeitlichen Offenbarungen zerstreut: "Siehe, du hast es nicht verstanden; du hast gemeint, ich würde es dir geben, obschon du dir keine Gedanken gemacht hast, außer mich zu bitten. Aber siehe, ich sage dir: Du mußt es mit deinem Verstand durcharbeiten; dann mußt du mich fragen, ob es recht ist, und wenn es recht ist, werde ich machen, daß dein Herz in dir brennt; darum wirst du fühlen, daß es recht ist (LuB 9:7f; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/9?lang=deu). Kehren wir in die Zeit des AT zurück, wo es in der Köstlichen Perle zu Adams Taufe heißt: "und so wurde er aus dem Geist geboren und wurde im inneren Menschen belebt" (KP Mose 6:65; https://www.lds.org/scriptures/pgp/moses/6?lang=deu). Innere Belebung heißt ja nichts Anderes als vom Geist geleitet mit Freude (frohe Pfingsten!) alle Herausforderungen des Lebens anzunehmen und so auch zu lernen, was dieses letzte der drei hohen christlichen Feiertage für uns bedeutet.


Montag, 29. Mai 2017

Nächstenliebe zählt echt!

In der letzten Woche kam die Nachricht, dass Präsident Monson nicht mehr persönlich an den Ratsversammlungen der Kirche teilnehmen kann, sondern notwendige Dinge von zu Hause aus regelt. Das bewegte mich sehr, denn ihn kenne ich auch persönlich. Er war Missionspräsident in Toronto, als mein ältester Bruder Mitglied wurde. Als Apostel Monson den Pfahl Dortmund organisierte, ließ er es sich nicht nehmen, mich als zweiten Ratgeber zu Präsident Hasse einzusetzen. Später hat er mich persönlich noch einmal in einer wichtigen kirchenrechtlichen Angelegenheit beraten. Als wir uns am letzten Sonntag seine Kurzansprache in der Priesterschaftsversammlung der letzten Generalkonferenz anhörten, habe ich sie als sein Vermächtnis an uns verspürt, nämlich als Priestertum zuallererst Nächstenliebe zu üben (https://www.lds.org/liahona/2017/05/general-priesthood-session/kindness-charity-and-love?lang=deu). Er zitierte Moroni, den letzten Propheten im Buch Mormon: "die Nächstenliebe ist die reine Christusliebe, und sie dauert für immer fort; und bei wem am letzten Tag gefunden wird, daß er sie besitzt, mit dem wird es wohl sein." (BM, Moroni 7:47; https://www.lds.org/scriptures/bofm/moro/7?lang=deu). "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (AT, Levitikus 19:13; https://www.bibleserver.com/text/EU/3.Mose19) soll uns heiligen und ist Bestandteil der goldenen Regel (NT, Matthäus 22:39; https://www.bibleserver.com/text/EU/Matth%C3%A4us22). Präsident Monson denkt an Nächstenliebe auch im Zuisammenhang mit dem Verhaltenskodex für das Priestertum: "Kraft des Priestertums kann und soll keine Macht und kein Einfluß anders geltend gemacht werden als nur ... mit ungeheuchelter Liebe" (LuB, 121:41; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/121?lang=deu). Sie ist auch Bestandteil unserer Glaubensartikel "Wir glauben, daß es recht ist... allen Menschen Gutes zu tun" (KP, GA 13; https://www.lds.org/scriptures/pgp/a-of-f/1?lang=deu).
echte Liebe BVB
Warum wird die Befolgung des Gesetzes der Nächstenliebe echt zählen oder anders gefragt, warum bringt sie Früchte des ewigen Lebens hervor? Nächstenliebe fordert von uns, die zweite Meile zu gehen. Schaffen wir das, dann wird unser Leben echt reicher. Das Wort "echt" benutze ich hier als Wortspiel, weil es im Zusammenhang mit dem Dortmunder Großereignis des letzten Wochenendes steht: "echte Liebe BVB°, dem Sieger des deutschen Fußballpokals 2017 in Berlin. Noch am Morgen des denkwürdigen Samstags stand unser Sohn Andreas in seinem Garten, die Grabegabel geschultert, um dort Ordnung zu schaffen. Der T-Shirtaufdruck verrät: "Samstag ist ein besonderer Tag (..., denn wir machen uns fertig für Sonntag). So heißt ein Lied in unserem Kindergesangbuch. Das Bild hatte er auf Fb gepostet und wir ahnten nichts Arges.
Samstag ist ein besonderer Tag
Doch später am Abend überraschte uns ein Bild aus dem Berliner Olympiastadion. Glücklich vereint waren darauf unser Sohn, der Bischof in der Gemeinde Herne ist, mit dem Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft, dem ehemaligen Bischof der Gemeinde Dortmund, zu sehen. Als BVB-Fans hatten sie einen tollen Abend in großartiger Stimmung mit dem Sieg ihres Lieblingsvereins erlebt. Die fünf Stunden Anfahrt waren vergessen und die sicher anstrengendere Rückfahrt spielten in dem Augenblick noch keine Rolle. Wieso Rückfahrt? Hätten sie nicht in Berlin übernachten können? Das kam für unseren Sohn nicht in Frage. Am nächsten Morgen musste er wieder in seiner Gemeinde sein und auch Matthias Roth fand rechtzeitig seinen präsidierenden Platz in der Heimatgemeinde Dortmund. Ob es jemand gemerkt hat, dass diese  Brüder zuvor zweite Meilen gefahren waren, um ihr Bündnisversprechen zu halten, den Sonntag Gott und ihren Nächsten zu weihen, für die sie verantwortlich berufen sind? Hirten haben bei ihren Schafen zu wachen und doch sind sie Menschen wie Du und ich, echte Fans!

Dienstag, 23. Mai 2017

Schäm dich! - oder: von der Scham- zur Schuldkultur

Als Kinder haben wir es sowohl in der Schule als auch zu Hause erlebt, dass wir uns schämen, in die Ecke stellen und dann bessern sollten. - Auf der letzten "Zeit"-Augabe prangt der Gutmensch ais Aufmacher und innen finden wir einen großen Tugend-Test: "Wie gut sind Sie denn?", den ich mit 32 Punkten auf der mittleren (Mutter Theresa-Obama-Trump)Stufe abschloss. Daneben sind zwölf Personen (Apostel?) des Gutmenschentums dargestellt. Nicht zufällig schreibt wohl eine Frau das Pladoyer für und ein Mann gegen den Gutmenschen. Auch finden wir dort einen Artikel über Bedford-Strohm, den Ratspräsidenten der EKD, der als "Chef des größten Gutmenschenclubs" dargestellt wird.  Als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gehöre ich im übertragenen Sinn auch zu so einem Club. Sollte ich mich dafür schämen?
Orientiere man sich an den Heiligen Schriften, dann erfährt man am Ende der Schöpfungsgeschichte , daß alles "sehr gut" war (AT, 1. Mose 1:31; https://www.bibleserver.com/text/EU/1.Mose1).
Das Neue Testament erklärt mir, dass "ein guter Mensch (grundsätzlich) Gutes hervor(bringt), weil in seinem Herzen Gutes ist." (NT, Lukas 6:45; https://www.bibleserver.com/text/EU/Lukas6). Im Traum vom Baum des Lebens, der schon vor 2600 Jahren von dem Propheten Lehi geträumt wurde,  finden wir die bemerkenswerte Schilderung von Spöttern, die mit Fingern auf Gläubige zeigen. Von einigen Verspotteten heißt es, dass sie sich schämten und dadurch auf vebotene Pfade gerieten und verloren gingen (BM, 1. Nephi 8: 26-28; https://www.lds.org/scriptures/bofm/1-ne/8?lang=deu). -                Die Empfehlung für unser Handeln in heutiger Zeit lautet: "Setze dein Vertrauen in jenen Geist, der dazu führt, Gutes zu tun"; LuB, 11:12; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/11?lang=deu). Abschließend heißt es dann: "viele haben geglaubt und sind Söhne Gottes geworden." (KP, Mose 7:1; https://www.lds.org/scriptures/pgp/moses/7?lang=deu).                                                      Anzunehmen ist, dass sich Gutmenschen mehr als andere eigenes Fehlverhalten öfter bewusst machen. Wahrscheinlich ist ihnen auch der Gedanke vertraut, sich einmal für ihr Tun persönlich rechtfertigen zu müssen. Entscheidend aber ist, dass sie sich jetzt nicht schämen brauchen. Letztlich sollten wir aber wissen, dass sich kein Mensch als "gut" bezeichnen kann. Christus entgegnete einem der führenden Israeliten:"Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen."; NT, Lukas 18:19; https://www.bibleserver.com/text/EU/Lukas18). Also sehe ich mich grundsätzlich nicht als "Gutmensch", auch wenn das Testergebnis mich mehr in die Nähe gutwilliger Menschen stellt.
D. Todd Christofferson
In der Frühjahrs-Generalkonferenz 2017 sprach Apostel D. Todd Christofferson zum Thema "Die Stimme der Warnung" (https://www.lds.org/general-conference/2017/04/the-voice-of-warning?lang=deu) auch über zwei Begriffe, die ich bis dahin nicht kannte: Scham- und Schuldkultur. Sie haben mir Orientierungshilfe gegeben. Wer sich schämt, der beugt sich  dem Druck der vorherrschenden Meinung. Er möchte sich dem Spott oder der Ausgrenzung entziehen. Wer Schuld kultiviert, der wird die Last des Andersseins spüren und tragen lernen. Wenn er dann erkennt, dass Gefahr droht, wird er Hilfe leisten und seine Mitmenschen  warnen wollen. Das Unwort des Jahres 2015 kritisiert zwar die Haltung von Menschen, die mit Gutem nerven können, aber missachtet in hohem Maße deren Wert für die Gesellschaft. Wenn es schon für Kinder schrecklich ist, ausgegrenzt sich schämen zu müssen, sollte es für Erwachsene gelten, eine Skalierung "gut - besser - Gutmensch" zu vermeiden.

Sonntag, 14. Mai 2017

Muttertag - Mutter Kirche

Letztens ging ich zum Vortrag "Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen". Darin hat mich nach vielen Ausführungen zur Jahrhunderte langen erbärmlichen Lage der Heuerlinge ein Zusatz bewegt, der besonders über die Nichtwertschätzung der Heuerlingsfrau Auskunft gab. Danach wurde die Frau für weniger Wert gehalten als eine Kuh. Eine Frau konnte man ersetzen, eine Kuh dagegen war nahezu unerschwinglich teuer. -
meine elterliche Familie (etwa 1950)
Heute nun ehrten wir in den Gottesdienstansprachen die Frau und insbesonders die Mutter. Eine Jugendliche schloss ihre Ausführungen zur Fürsorglichkeit ihrer Mutter mit den Worten: "Egal wie oft sie meckert, ich habe sie ganz dolle lieb." Für mich spricht das für eine hohe Wertschätzung der Mutter. Ein weiterer jugendlicher Sprecher endete nach mehreren Zitaten von Aposteln und Propheten zum besonderen Stand der Frau im Evangelium mit seinem Zeugnis: "Ich weiß, dass jede Frau eine Tochter Gottes und damit etwas Besonderes ist." Ein Erwachsener schildete dann
darin meine Mutter
rückblickend vom Leben mit seiner allein erziehenden Mutter, die sich zwei Jahre nach der Scheidung der Kirche angeschlossen hatte. Für ihn, das Einzelkind, wurden die älteren Mitglieder in der Kirche alle zu Onkel und Tante. Bei diesen Ausführungen kam mir der Gedanke, dass die Kirche für uns insgesamt wie eine Mutter wirkt. Auch wir Eltern, die ihre Kinder in der Kirche groß gezogen haben, lernten das familiäre Miteinander und die Erfahrungen, die so von allen gemacht werden konnten, sehr schätzen.
Vielleicht ergibt sich ein solches Miteinander schon dadurch, dass wir uns alle in der Kirche als Brüder und Schwestern verstehen. Mir scheint es aber entscheidender zu sein, dass wir durch das Evangelium buchstäblich von himmlischen Eltern wissen. Auch ist Eva für uns nicht die schwache Verführte, die Adam mit sich in den Sündenfall riss, sondern jene, die ihre Rolle im Plan des Lebens außerordentlich verantwortungsvoll erfüllte. "Und Eva ... hörte das alles und war froh und sagte: Wenn wir nicht übertreten hätten, so hätten wir nie Nachkommen gehabt und hätten nie Gut und Böse erkannt, auch nicht die Freude unserer Erlösung und das ewige Leben, das Gott allen gibt, die gehorsam sind." (KP, Mose 5:11; https://www.lds.org/scriptures/pgp/moses/5?lang=deu; ) Vor diesem Hintergrund konnte wohl Salomo in seiner Sprüchesammlung ein Lob der tüchtigen Frau anstimmen: "Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert." (AT, Sprüche 31:10; https://www.bibleserver.com/text/EU/Spr%C3%BCche31)
Im Gespräch mit der Sameriterin am Jakobsbrunnen zeigte Christus beispielhaft sein Frauenverständnis: "Ich bin es, ich, der (auf Augenhöhe) mit dir spricht." (NT, Johannes 14:26; https://www.bibleserver.com/text/EU/Johannes4)                                                                          Mutter ist nach den Schriftenhinweisen "ein heiliger Titel für eine Frau". Sie erwirbt den Titel, wenn sie Kindern das Leben schenkt und heiligt ihn durch deren gottesfürchtige Erziehung. Oft zitiert werden die 2000 im Kampf unerprobten nephitischen Krieger, die von ihren Müttern gelernt hatten, "dass, wenn sie nicht zweifelten, Gott sie befreien werde." (BM, Alma 56:47; https://www.lds.org/scriptures/bofm/alma/56?lang=deu). So geschah es dann auch.
Neuzeitliche Offenbarungen sehen in einer himmlischen Versammlung der Großen und Mächtigen auch die "herrliche Mutter Eva mit vielen ihrer getreuen Töchter, die in den verschiedenen Zeitaltern gelebt und den wahren und lebendigen Gott angebetet hatten." (LuB, 138:39; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/138?lang=deu)                                                                                          Ich freue mich, dass wir in jedem Jahr mit einem Sonderprogramm die Frauen, insbesondere die Mütter, in der Kirche ehren. Ein solcher Sonntag bewegt mich innerlich immer wieder. Auch heute war es so.

Freitag, 12. Mai 2017

Errichtet ... ein Haus Gottes


Der Paris-Tempel steht vor seiner Weihung. Wir hoffen, dass der Frankfurt-Tempel nach seiner Renovierung 2018 wieder geweiht und zuvor besichtigt werden kann.
Tempel sind ein markantes Zeichen des Bundesvolkes. Schon Mose erkannte heiligen Boden und  legte die Schuhe ab, bevor er ihn betrat und die Anweisung erhielt, Israel aus Ägypten heraus und dabei die Bundeslade mitzuführen (AT, Exodus 3:5; https://www.bibleserver.com/text/EU/2.Mose3).                         Jesus Christus besuchte mit 12 Jahren erstmals den Tempel in Jerusalem und fragte seine vorwurfsvollen Eltern, die ihn suchten:   "Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?"(NT, Lukas 2:49; https://www.bibleserver.com/text/EU/Lukas2). Der auferstandene Christus erscheint den Nephiten am Tempel im Land des Überflusses. (BM, 3. Nephi 11:1; https://www.lds.org/scriptures/bofm/3-ne/11?lang=deu)
"Errichtet ... ein Haus Gottes!"(https://www.lds.org/manual/doctrine-and-covenants-and-church-history-class-member-study-guide/lesson-18-establish---a-house-of-god?lang=deu) beschäftigt
sich mit dem ersten Tempel der Neuzeit in Kirtland, Ohio, USA, den ich 1962 in meiner Bekehrungszeit sah. Allerdings war  er damals für mich in der religiösen Neuorientierung noch nicht entscheidend. Erst die Tempelehe wurde zu einem prägenden Lebensereignis.  Die Berufung der Jünger beschreibt aber meine damaligen Zustand recht gut "Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm." (NT, Johannes 1:39; https://www.bibleserver.com/text/EU/Johannes1).
Das Gebot zum Tempelbau in Kirtland wurde nur zögerlich angenommen. Nicht verwunderlich, wennn man die damalige Lage der Heiligen berücksichtigt. Eliza R. Snow schrieb: „Es gab damals … nur wenige Heilige, und die meisten waren sehr arm. Hätte es nicht das Zeugnis gegeben, daß Gott gesprochen und geboten hat, seinem Namen ein Haus zu bauen, von dem er nicht nur die äußere Gestalt, sondern auch die Größe festlegt hatte, so wäre der Versuch, den Tempelbau zu beginnen, unter den gegebenen Umständen von allen Beteiligten als absurd bezeichnet worden." (https://www.lds.org/manual/our-heritage-a-brief-history-of-the-church-of-jesus-christ-of-latter-day-saints/chapter-three-building-the-kingdom-in-kirtland-ohio?lang=deu)
Wir erfahren dann, dass die Bereitschaft, aufopferungsvoll das Gebot zu erfüllen, dem Pfingstereignis im Neuen Testament vergleichbare fundamentale Segnungen brachte. Im geweihten Tempel erschien Jesus Christus und nahm das Haus als seinen Wohnplatz an. Auch erschienen die Propheten Mose, Elias und Elija und überbrachten die für die Wiederherstellung der Kirche notwendigen Schlüssel zur Missionsarbeit (Sammlung Israels), zur Wohlfahrt (Segnungen Abrahams) und zur Tempelarbeit (Erlösung der Heiligen). Der Kirtlandtempel diente im Erdgeschoß den heiligen Handlungen und im Obergeschoß der Apostelschulung (LuB 95:16f.; https://www.lds.org/scriptures/dc-testament/dc/95?lang=deu)
Was für ein bemerkenswertes Werk ist aus diesen Anfängen entstanden! Aktuell sind es 190 Tempel weltweit, die geöffnet oder angekündigt sind sowie renoviert oder gebaut werden. Sie dienen uns Menschen, denen Gottes höchste Absicht offenbart ist: "Denn siehe, dies ist mein Werk und meine Herrlichkeit—die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen."         (KP, Mose 1:39; https://www.lds.org/scriptures/pgp/moses/1?lang=deu)