Sonntag, 11. Dezember 2016

Postfaktisch - das Wort des Jahres 2016 oder was ich dagegen glaube -

Das Wort "postfaktisch" gehörte bisher nicht zu meinem Wortschatz, hat sich mir jetzt aber schon fest eingeprägt, weil es eine Verhaltensweise beschreibt, die mich zunehmend innerlich bewegt oder beunruhigt. Was soll nach dem Brexit aus Europa werden? Wie wird sich die politische Weltlage nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA entwickeln? -

Spiegel online schreibt: "Das Kunstwort "postfaktisch", (sei) eine Übertragung des englischen Begriffes post truth, (und) verweise darauf, dass in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend Emotionen wichtiger seien als Fakten." Nun könnte man meinen, dass postfaktisches dem religiösen Verhalten recht nahe kommt. Ein Unterricht, auf den wir uns heute vorbereiteten, hat mir dagegen gezeigt, wie wir uns mit christlichem Denken vor postfaktischem Verhalten schützen können.
H.W. Hunter (1907-1994)
Howard W. Hunter, knapp ein Jahr (5. Juni !994 bis 3. März 1995) Präsident der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi (HLT), weist nach, dass stille und unbekannte Menschen, die  ihre Arbeit ohne viel Aufhebens verrichten, nicht weniger nützlich sind als jene, die im Rampenlicht stehen. (https://www.lds.org/manual/teachings-of-presidents-of-the-church-howard-w-hunter/chapter-23-no-less-serviceable?lang=deu)
In den Heiligen Schriften ist von vielen die Rede, die im Schatten anderer Wichtiges vollbracht haben. Welche Kraftquelle motivierte sie zu christlichem Handeln, dessen Kern die Nächstenliebe ist? Warum stelllten sie sich in den Dienst ihrer Mitmenschen?  Ging es ihnen um deren Lob? Hunter endet seine Betrachtungen mit der Ermahnung, sich solches Lob nicht zu Kopf steigen zu lassen.
Das Nachdenken über Grundsätze wie diesen, dass die Arbeit der fleißigen, stillen und unbekannten Menschen gleich großen Wert in den Augen Gottes hat wie die der Prominenten stärkt meinen Glauben.  Er ist ausgerichtet auf Gott, unseren ewigen Vater, den Quell aller Wahrheit, seinen Sohn Jesus Christus, der uns sein beispielhaftes Leben schenkte, und auf den Heiligen Geist, der uns zu aller Wahrheit führt. Warmherzige, aufbauende und stets allen Mitmenschen zugewandte Gefühle lassen ihn erkennen.
Jakobus, der  k l e i n e  Bruder des Herrn Jesus Christus, schrieb: "Denkt daran ... : Jeder Mensch soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden und nicht schnell zum Zorn bereit; denn im Zorn tut der Mensch nicht das, was vor Gott recht ist. Darum legt alles Schmutzige und Böse ab, seid sanftmütig und nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten. ... Wer sich ... in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, ... sondern danach handelt, der wird durch sein Tun selig sein.
Wer meint, er diene Gott, aber seine Zunge nicht im Zaum hält, der betrügt sich selbst und sein Gottesdienst ist wertlos. Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren." (Jakobus 1: 19-27; http://www.bibleserver.com/text/EU/Jakobus1)


 

Sonntag, 4. Dezember 2016

Den Vater im Himmel ehren, das kannst Du auch!

Mich bewegen und erfreuen die Anregungen der Kirche, als Mitglieder in dieser Adventszeit der Welt ein Licht zu sein. Mit dem Weihnachtsvideo ist diese Aktion verbunden. In der schriftlichen Anmoderation heißt es:
"Die Weihnachtszeit erinnert uns daran, dass Jesus Christus das Licht der Welt ist. Dieses Jahr haben wir die wunderbare Gelegenheit, sein Licht weiterzugeben. Wir brauchen uns dazu nur entschließen, das zu tun, was Christus getan hat. Ab dem 1. Dezember befassen wir uns jeden Tag mit einer christlichen Eigenschaft und machen Vorschläge, wie man dem Beispiel Christi folgen könnte. Mach mit und verwende diese Vorschläge, um für die Advents- und Weihnachtszeit Aktivitäten zu planen."
Zum heutugen Sonntag, dem 4. Dezember, heißt es:
" Jesus ehrte seinen Vater im Himmel –
Das kannst Du auch!
Vorschläge:
·      Besuche einen Gottesdienst in Deiner Gegend!                                                                                Du bist natürlich auch herzlich zu einem Gottesdienst bei uns eingeladen.
·      Nimm Dir vor, im Dezember jeden Tag auf den Knien zum Vater im Himmel zu beten!
·      Hilf mit, ein Gemeindehaus sauberzumachen oder hilf dort bei Reparaturarbeiten mit!"
Gestern wollten die Missionare zu uns kommen, alle sechs. 
Wir fühlten uns zunächst ein wenig überfordert, doch dann erinnerte ich mich an den
zweiten Vorschlag, ging in mein Zimmer, kniete nieder und betete. 
Als die Missionare dann kamen, wir uns gemeinsam das Video ansahen und hörten, 
dass sie es unseren Nachbarn zeigen wollten, beteten wir erneut auf den Knien. 
Danach entschloss ich mich, ein Missionarspaar in die engere Nachbarschaft zu begleiten,
während die beiden anderen Paare die weitere Nachbarschaft besuchten. 
Von den acht möglichen Haushalten konnten wir vier besuchen. Wir wurden freundlich
hereingebeten, führten das Video vor, sprachen die Empfehlung aus, am 2. Advent
einen Gotttesdienst zu besuchen, auf den Knien zum Vater im Himmel zu beten oder
mitzuhelfen, das eigene Gotteshaus zu pflegen. 
Dann verabschiedeten wir uns wieder mit guten Wünschen zur Vorweihnachtszeit.
Die anderen beiden Paare hatten dagegen keinen sichtbaren Erfolg. Sie waren nicht in die
Wohnungen eingelassen worden und hatten somit auch keine Gelegenheit, eine
Adventsbotschaft weiterzugeben.
Mir wurde eindringlich bewusst, welche Brückenfunktion mir als einheimischem Mitglied
zukommt und wie ich Sein Licht weitergeben kann.
Auch in der weiteren Familie habe ich diese Botschaft per E-Mail verbreitet und noch einen
folgenden Videospot beigefügt, der jeweils zu einem Adventstag gehört: 


Sonntag, 20. November 2016

Das Evangelium lehren

Am gestrigen Sonntag (20.11.2016) habe ich einen Vertretungsunterricht zum obigen Thema gegeben. Aus den sechs dort gestellten Fragen wählte ich mir drei heraus und hinterlegte sie mit jeweils einer Empfehlung des Leitfadens und einer entsprechenden Schriftstelle. Solche Unterrichtsfragen sind ja zunächst auch an mich gestellt, die ich deshalb auch selbst beantworten will.
1. Welche Lebensfragen haben Dir die Heiligen Schriften beantwortet?
Eine hatte mir mein Konfirmationsspruch (1. Johannes 2:17) gestellt. Willst Du die Lust der Welt oder den Willen Gottes wählen? Präsident Hunter rät uns, die Antwort in den Heiligen Schriften zu suchen. Psalm 118:8 gibt eine solche: "Besser, sich zu bergen beim Herrn, als auf Menschen zu bauen." Der Empfehlung des Psalms zu folgen und den Weg des Herrn zu suchen, wurde zu einer Grundentscheidung meines Lebens.
2. Gott liebt Dich persönlich. Wobei hast Du das erfahren?
Präsident Hunter: "Ich hatte immer das Gefühl, dass der Herr sich auf persönliche Weise um jeden kümmert. ... viele der wichtigen Angelegenheiten – die wichtigsten – geschehen ganz individuell.
Jedes Baby bekommt seinen eigenen Segen ....
Jedes Kind wird für sich getauft und konfirmiert.
Wir nehmen das Abendmahl, werden zum Priestertum ordiniert
oder erhalten die heiligen Handlungen des Tempels immer als einzelne Person –
als jemand, der seine Beziehung mit unserem Vater im Himmel entwickelt."
Eine dazu passende Schriftstelle steht im Buch Mormon (3. Nephi 17), wo es im 21. Vers heißt:
" ... er nahm ihre kleinen Kinder, eines nach dem anderen, und segnete sie und betete für sie zum Vater."
Gerade in der letzten Woche erlebte ich, wie der Herr sich  auf persönliche Weise um jeden kümmert. Eltern eines gehörlosen Jugendlichen hatten an die Erste Präsidentschaft geschrieben und um Hilfe gebeten, den obigen Grundsatz in der Gemeinde umzusetzen.
Die Gebietspräsidentschaft in Frankfurt wurde beauftragt, sich um das Anliegen zu kümmern und schickte einen Gebietssiebziger nach Dortmund, um mit den Eltern und ihrem Sohn zu sprechen. und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Es war eine bewegende Begegnung.
3. Wann hast Du einen wunderbaren Herzenswandel erlebt?
Wiederum im Buch Mormon und dort in Alma 5:14 lesen wir folgende selbstkritische Fragen:
"... seid ihr geistig aus Gott geboren? Habt ihr sein Abbild in euren Gesichtsausdruck aufgenommen? Habt ihr diese mächtige Wandlung in eurem Herzen erlebt?"
Als ich im Tempel an meine Frau Heike gesiegelt wurde, habe ich den wunderbaren Herzenswandel erlebt. Mir wurde der ewige Charakter dieser Heiligen Handlung sehr bewusst und erfüllte mein Herz mit Dankbarkeit und Freude. Hat sie auch meinen Gesichtsausdruck nachhaltig verändert? -
Wunderbar schien mir auch der Unterricht. Ich hatte Briefumschläge vorbereitet mit jeweils einem Dreierpack aus Frage, Schriftstelle und Leitfadenzitat. Es bildeten sich genau drei Dreiergruppen, die sich dann ihre Gedanken machten, sie vortrugen und mit der Klasse erörterten.

Abschließend haben wir dann allgemein über den Untericht in der Kirche gesprochen, der uns die Freude am Lernen erhalten soll. Zu dieser Grafik heißt es:
"Jedes Mal, wenn wir die Heiligen Schriften erforschen, besser vorbereitet zum Unterricht kommen, uns am Unterrichtsgespräch beteiligen, Fragen stellen und heilge Eindrücke aufschreiben, werden wir Gott ähnlicher und damit fähiger, die Freude zu verspüren, die er verspürt." - wenn er uns lernen sieht (meine Ergänzung).
Wie können wir uns bei solchem Lernen gegenseitig unterstützen?




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Sonntag, 5. Juni 2016

Märchenhaft


Entwurf einer Taufansprache
Vor wenigen Wochen hat mich eine meiner Enkeltöchter angerufen.
Sie hat mich gebeten, bei ihrer Taufe zu sprechen.
Im Radio hatte ich gerade etwas Interessantes gehört: Märchen verdienen es nicht, Kinderkram genannt zu werden. Sage nicht einfach: „Na ja, ... es war einmal.“
Märchen sollten uns zu Herzen gehen. Sie können Lebensfragen beantworten.
Wie zum Beispiel: Warum soll ich getauft werden?
Schon Nikodemus hatte Jesus danach gefragt. Mit unseren Worten antwortete der Sohn Gottes, unser ältester Bruder: Die Taufe ist das Tor zum Reich Gottes. Wenn Du in Sein Reich willst, musst Du aus Wasser und Geist geboren werden.
Mit Wasser ist die Taufe gemeint und mit dem Geist die Spendung des Heiligen Geistes.
Ich sollte über das Wasser oder die Taufe sprechen. Da gibt es viele Fragen.
Mit dem Märchen „Frau Holle“ will ich versuchen, sie zu beantworten.
In ihm gibt es zwei Orte: Das Zuhause der beiden Mädchen mit ihrer Mutter, das oben ist,
sowie die Wiese mit dem Backofen, dem Apfelbaum und dem Haus der Frau Holle, die unten liegt. Am Anfang verbindet ein Brunnen das Oben und Unten. Am Ende führt der Weg von unten nach oben zurück durch ein Tor.
Die Taufe, so kann man annehmen, hat etwas mit dem Brunnen zu tun. Das arme Mädchen sprang in größter Not in das Brunnenwasser.
Unsere Kinder sind mit 8 Jahren nicht so verzweifelt. Sie wissen: In der Regel ist es mein Vater, der mich in das Wasser begleitet. Er vollzieht die Heilige Handlung der Taufe. Er taucht mich ganz unter das Wasser und hebt mich auch wieder aus ihm heraus.
Das Untertauchen soll zeigen: Das Wasser bedeckt mich vollständig. Es wäscht mich rein. Das Wasser ist aber auch mein Grab. In dieses werde ich symbolisch hineingelegt.
Neugeboren werde ich wieder herausgehoben und stehe dann, wie ich es mir nach dem Märchen vorstellen könnte, auf der Wiese. Die Mädchen im Märchen sind auch schon groß. Was sollten sie dann tun? Weitergehen!
Auch für jeden Täufling wird das Leben nach der Taufe weitergehen. Das Märchen zeigt, wie es geschehen kann, je nachdem ob man als Gold- oder als Pech-Marie ankommen will. Das Evangelium, die frohe Botschaft, will erreichen, dass wir als Gold-Mari empfangen werden. „Kikeriki, die Gold-Marie ist wieder hi!“
Was müssen wir dafür tun? Zu meiner Überraschung erzählt es das Märchen genauso
wie wir es in der Kirche lernen.
Zunächst ist da der Ofen. Die Brote darin sind fertig gebacken. Im „Vater Unser“ heißt es:
„Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.“ Wir werden aufgefordert, unser tägliches Brot herauszuholen. In der Kirche sprechen wir vom Wohlfahrtsauftrag oder der Selbstständigkeitsinitiative der Mitglieder. Von dem fleißigen Mädchen im Märchen wird erzählt: „Da trat es herzu und holte alles (Brot) heraus.“ Genau so sollen wir unsere erste Aufgabe verstehen und keine Angst davor haben, uns dabei schmutzig zu machen, wie die Stiefschwester es hatte.
         Dann ist da der Baum mit den reifen Äpfeln. Wissen wir noch, welche Bedeutung der Apfel im Evangelium hat? Eva, die Mutter aller Lebenden, musste sich entscheiden. Esse ich die Frucht oder nicht. Reife Früchte erinnern aber auch an eine häufig vorkommende Schriftstelle: „Das Feld ist schon reif zur Ernte.“
Damit ist ein Auftrag an uns Erntehelfer verbunden, als Zeugen für Christus aufzutreten
oder mit anderen Worten, uns zu unserem Glauben zu bekennen. Ich erfülle den Missionsauftrag nach über 50 Jahren Mitgliedschaft in der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi immer noch gerne.
Im Märchen heißt es: „Da schüttelte es den Baum.“ Ihre Stiefschwester dagegen fand die Ausrede: „Da könnte mir ja einer (der Äpfel) auf den Kopf fallen.“
Nun kommt noch die dritte Aufgabe. Sie liegt am Ende des Weges, wo es heißt, die Betten zu schütteln, so dass die Federn fliegen. Auf der Erde soll es dann zur Freude der Kinder schneien. Auch die fliegenden Federn haben eine symbolische Bedeutung. Sie könnten die Geister (Seelen) der Menschen darstellen. Vielleicht wird uns jetzt schon bewusst, um welchen kirchlichen Auftrag es geht: Die Heiligen Handlungen sowohl für die Lebenden als auch für die Verstorbenen. Für sie gilt  die Verheißung: „Alles, was Ihr  auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein.“ Die Geister brauchen und sollen nicht fortfliegen.
Aber kehren wir zum Märchen zurück. Da heißt es: „Weil die Alte ihm so gut zusprach,
so fasste sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst."
Wir treffen uns als Familie immer um den Jahreswechsel herum im Hochsauerland. Unsere Kinder haben öfter um Schnee gebetet. Das fleißige Mädchen und Frau Holle (Jung und Alt) haben gut zusammengearbeitet. Fast immer bekamen wir den ersehnten Schnee. Wie haben wir uns darüber gefreut! - Aber der Stiefschwester wurde der Dienst schon bald zu viel. Sie wollte nur den Goldregen. Enttäuschte Kinder waren ihr egal.
Wir lernen aber: „Menschen sind, dass sie Freude haben können.“ Ausharren bis zum Ende charakterisiert deshalb christlichen Dienst. Ein Versprechen zu halten, verlangt dabei oft zusätzliche Willenskraft.
Nun rückt das Ende des Märchens in unser Blickfeld.
Da ist der Torbogen. Frau Holle geleitet das fleißige Mädchen dorthin.
„Das Tor ward aufgetan, und wie das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen und alles Gold blieb an ihm hängen.“ Das Gold ist wieder symbolisch zu verstehen. Es meint himmlische Herrlichkeit, ewiges Leben in der Gegenwart Gottes.
Ich wünsche uns allen einen solch goldigen Lohn und bezeuge, dass die Taufe die erste Heilige Handlung auf dem Weg dorthin ist.
Wir freuen uns über jeden Menschen, der sich zur Taufe entschließt. Diese werden, wenn sie zum Taufbecken gehen, sich mit den Menschen an den Wassern Mormons verbunden fühlen. Auch jene waren über den rechten Weg belehrt worden. Sie hatten dadurch den Wunsch, getauft zu werden. Ihr Lehrer Alma sagte zu ihnen: „Wenn das euer Herzenswunsch ist, was habt ihr dann dagegen, euch im Namen des Herrn taufen zu lassen, zum Zeugnis vor ihm, dass ihr mit ihm den Bund eingegangen seid, ihm zu dienen und seine Gebote zu halten, damit er seinen Geist reichlicher über euch ausgieße.“ (Buch Mormon, Mosia 18:10)
Ich bezeuge, dass die Heilige Handlung der Taufe notwendig ist als erster Schritt auf unserem irdischen Weg mit dem Ziel, einmal in unsere himmlische Heimat zurückkehren zu können. Wenn auch in heutiger Zeit schwer zu glauben, so kann doch das Märchen von der Frau Holle, wenn es uns zu Herzen geht, darauf aufmerksam machen, dass ewiges Leben ein alter Menschheitstraum ist, der sich wieder erfüllen kann.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Weihnachtsstimmung / Thoughts of Christmas

An einem der letzten Tage erwachte ich morgens und geriet sehr bald in eine für mich ungewöhnlich glückliche Vorweihnachtsstimmung. Woher wurde sie gespeist?
Meine Frau ist Lehrerin in der Frauenhilfvereinigungs unserer Gemeinde und hatte mit einem Thema "Mache Deine Pfähle stark" (ein Pfahl besteht aus etwa 12 Gemeinden, vegleichbar einem Kirchenkreis) ihre Schwierigkeiten. Ich empfahl ihr, sich auf den Hauptgedanken zu konzentrieren: "sich vereinen und vervollkommnen" (vereinfacht: kommt zusammen und werdet eins!). Es ist eine meiner Lebenserfahrungen, dass aus dem Zusammensein und der -arbeit mit vielen Menschen Motivation und Kraft ensteht. Dazu gab es in letzter Zeit zwei sicher etwas nachvollziehbare Beispiele:
1. Die Weihnachtsandacht der Ersten Präsidentschaft (https://www.lds.org/broadcasts/archive/christmas-devotional/2015/12?cid=HP_SU_12-6-2015_dPFD_fMLIB_xLIDyL1-C_&lang=deu) wurde im Gemeindehaus aus dem Konferenzzentrum in SLC übertragen, wo der Tabernakelchor und das Orchester am Tempelplatz die festliche Andacht mit gestalteten. Im Chor mitzusingen oder im Orchester mitzuspielen, lässt erkennen, dass gemeinsames Musizieren zur Vervollkommnung jedes einzelnen Musikanten beiträgt. Wenn ich mich also mit Gleichgesinnten vereine, dann vervollkommne ich mich weiter. Das gilt mit Einschränkung auch für die Zuhörer. In SLC bekam man sicher schon seit Wochen keine Eintrittskarten mehr für die Weihnachtsandacht im 21 000 Besucher fassenden Konferenzzentrum. Bei der hiesigen Übertragung waren leider nur einige verstreute Besucher. Eine, wie ich meine, zumindest für Mitglieder verpasste Gelegenheit zur eigenen Vervollkommnung. -
2. Parallel dazu hatte der BVB ein Heimspiel in der mit mehr als 81 000 Zuschauern ausverkauften Arena. Es ist sicher bekannt, welche Kraft von einer heimischen Tribüne ausgeht. -

Der Tabernakelchor sang ein mir unbekanntes Weihnachtslied "Carols of the bells" und Präsident Uchtdorf sprach dann über den Hintergrund dieses ursprünglich ukrainischen Neujahrsliedes. Die Großzügigkeit Gottes im Jahresablauf soll darin zum Klingen gebracht werden und dem Chor gelang dieser Lobpreis nahezu vollkommen.
Großzügigkeit im Zusammenhang mit Weihnachten hatte ich bis dahin noch nie bedacht, doch erinnerte ich mich sofort an meine Zimmerwirtin während des Studiums. Sie schenkte in ihrer großen Menschenliebe nicht nur mir alles, was sie selbst in der Not der Nachkriegszeit geschenkt bekommen hatte. -
Apostel Bednar hatte zuvor in seiner Ansprache die Weihnachtsgeschichte im Zusammenhang mit dem damaligen Geschehen in der Neuen Welt dargestellt (https://www.lds.org/scriptures/bofm/hel/14?lang=deu). Wir sollten uns in die Lage des Propheten Samuel versetzen, wie er, vielleicht zehnjährig, die Verheißung von der Geburt Christi erfuhr, die er dann als 15-Jähriger in Erfüllung gehen sah und etwa 30 Jahre später mit dem Kreuzestod Christi wohl auch die dreitägige absolute Dunkelhei miterlebte, aus der dann der Erlöser den Versammelten auf dem Tempelplatz erschien. Niemals vorher wurde mir dieses Hervortreten Christi als befreiendes und Hoffnung spendendes Licht der Wahrheit bewusster.
Wahrscheinlich trug dazu auch ein kürzlich stattgefundener Austellungsbesuch bei (https://www.google.de/search?q=zurbaran+d%C3%BCsseldorf&newwindow=1&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwia46OSsPXJAhXGD3IKHd8NDjgQ7AkINA&biw=1440&bih=699). Die raumhohen Apostel- und Heiligenfiguren des spanischen Barockmalers Zurbarán, die er aus dunkelstem Hintergrund hervortreten lässt, hatten mich innerlich berührt und wirkten nach. -
So spielten an jenem Morgen mehrere meiner Sinne zusammen und verursachten dieses noch nicht allzu häufig erlebte Glücksgefühl. Es wird mich weiter tragen und mich in der Absicht bestärken, mit der Familie und allen Menschen guten Willens vereint, Weihnachten und Jahreswechsel zu feiern sowie weiterhin auf die Verheißung vollkommenen Glücks zu hoffen, das uns Weihnachten erahnen lässt.


One day I awoke and had some thoughts that brought me closer to Christmas. I became happy. Where did it come from?
My wife had to give a lesson in the Relief Society with the topic: „Strengthen our Stakes“.
which was difficult for her to prepare. So I suggested to concentrate on the main thought: „come together to become perfekt“. It is an experience of my life coming and working together adds motivation and power. Here are two examples from last week that will help to explain what I mean.
1.     Christmas devotional of the First Presidency (https://www.lds.org/broadcasts/watch/christmas-devotional/2015/12?lang=eng&vid=4649217759001)in which the Tabernacle Choir and the Orchestra on Temple Square were involved was broadcasted to our Stake center. Whenever musicians of a choir or an orchestra come together, they combine their talents to create something bigger than they could achieve on their own. So it motivates us to come together with people of the same interest to work on our own perfection. This could even be said, to some degree, for the audience. I’m sure that in SLC the 21000 tickets for the devotional were gone long before the event. In our Stake building there were only very few who took the opportunity to benefit from coming together and being uplifted.
2.     In contrast to those few people in our congregation we could see hundreds of cars of soccer fans parked outside that visited the soccer arena close to our stake building. If you ask a real fan, there is nothing that can be compared to the feeling of being united as fans in the arena to cheer for your team.
The Tabernacle Choir sang “Carols of the bells” that was unknown to me as a Christmas carol. Elder Uchtdorf talked about the background of this originally Ukrainian new years song. The generosity of God throughout the year is supposed to be brought to sound in this song and the Choir perfected this praise.
Generosity in connection with Christmas was somewhat new to me, but I had to think back to my years as a student. My landlady always showed great generosity towards me when she freely shared the few things she possessed in those past war time years with me and other people around us.
In Elder Bednars talk (https://www.lds.org/scriptures/bofm/hel/14?lang=eng) we heard about the Christmas Story in connection with the events in the new world. We were supposed to think back to Samuel the lamanite, who had heard of the prophecy about the coming of Christ at the age of around 10. When he was 15 he saw the prophecies come true and he must have also experienced the three days of darkness when Christ was crucified 30 years later. Those who were gathered around the temple were saved from the darkness by Christ’s appearance among the Nephites. Never before have I understood the role of Christ as the light of truth and hope better than in this talk.
Maybe this new impression was also influenced by a Zurbarán-Exhibition I just had visited (https://www.google.de/search?q=zurbaran+d%C3%BCsseldorf&newwindow=1&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwia46OSsPXJAhXGD3IKHd8NDjgQ7AkINA&biw=1440&bih=699) . The Spanish Baroque artist painted room height Apostles and other Saints emerging from a deep dark background which gave them a characteristic holy flair. These paintings deeply touched me and inspired my feelings when I heard Elder Bednar’s talk.
 On that morning more than one sense worked together creating this feeling of happiness I haven’t felt too often in my life. This emotion will carry me further on and reinforce my intention to celebrate Christmas and to believe in the future of a new year hoping for a perfect happiness as promised by Christ. Christmas can already give us a glance of it now.

p.s. Thanks to my daughter Anike who helped me with the translation

Donnerstag, 16. Juli 2015

Gerechtigkeit, Gnade und Kinder

Am letzten Wochenende waren wir zu einem Konzert der Musikfreunde nach Heidelberg gefahren. Unsere Tochte Anike spielt in diesem Orchester mit.
aus einem Brief des Orchesterleiters
Das Konzert stand unter dem Thema "Skandinavischer Sommer" und erinnerte auch mit drei Kinderliedern an den 70. Geburtstag von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf. Die Kinder der Sinfoniker waren eingeladen worden, ihr ein Geburtstagsständchen zu singen und drei  unserer Enkelkinder Lasse (11), Okke (9) und Emma (6) waren mit Begeisterung dabei. Selbst die Großeltern aus Neumünster waren zu diesem Ereignis angereist. In dem Lied "Sommersågen" hieß es zum Schluss: "Im Sommer singt man Lieder, sonst ist man taub und blind, doch ich bin immer wieder des Sommers liebstes Kind!" Für Kinder, die mit Begeisterung so singen können, stellt sich die Frage nach Gerechtigkeit (nach Schuld und Sühne) nicht. Sie dürfen einfach genießen und dabei wachsen. So lehrt es uns auch das wiederhergestellte Evangelium im Buch Mormon: "Menschen sind, damit sie Freude haben können" (2. Nephi 2: 25; https://www.lds.org/scriptures/bofm/2-ne/2?lang=deu). Christus wollte, dass diese Entwicklungsbedingung grundsätzlich für alle Menschen gilt und brachte deshalb das Sühnopfer, mit dem er der Gerechtigkeit Genüge tat und uns von der Erbsünde befreite.
Überdies kennen wir die Bitte: "Gott sei mir Sünder gnädig." Wenn Kinder nun nach unserem Verständnis nicht sündigen können, stellt sich die Frage, ob sie Gnade brauchen. Hier tauchen bei mir Kindheitserinnerungen auf, als noch die Prügelstrafe rechtens war. Wie oft habe ich besonders dann auf Gnade gehofft, wenn ich einsah, dass ich Strafe verdient hatte.
Präs. Dieter F. Uchtdorf
Die Konferenzansprache von Präsident Uchtdorf (Die Gabe der Gnade; https://www.lds.org/liahona/2015/05/sunday-morning-session/the-gift-of-grace?lang=deu) hat mir da die Augen weiter geöffnet. Schon die Grundaussage, dass Gnade Ausdruck der göttlichen Liebe ist, lässt mich sie besser verstehen und bestätigt meine kindliche Hoffnung, sie zu brauchen. Elder Uchtdorf sagt dann, dass Gnade sowohl die Pforten als auch die Fenster des Himmels öffnet.
An der Pforte des Himmels soll Petrus stehen. Ihn zitiert Präsident Uchtdorf, wenn er davon spricht, dass Gnade die Pforten des Himmels öffnet (2. Petrus 1:3-11; http://www.bibleserver.com/text/LUT/2.Petrus1). Er stellt fest: Weil Christus das Sühnopfer brachte, "gibt es für uns einen Eingang in sein immerwährendes Reich. Die Pforte wird geöffnet."
Durch die geöffneten Fenster des Himmels ergießt sich aller Segen auf uns. "Unser ganzes Leben lang erhalten wir durch die Gnade Gottes irdische Segnungen und geistige Gaben, durch die unsere Fähigkeiten vergrößert werden und unser Leben bereichert wird. Durch seine Gnade entwickeln wir uns weiter. Durch seine Gnade können wir das Beste aus uns machen." (Uchtdorf, a.a.O.)
Wir sehen, dass diese Sichtweise meinen kindlichen Wunsch nach gnädiger Strafzumessung weiter fasst. Sie führt uns auf Astrid Lindgren und ihre Pippi Langstrumpf zurück. Wie gesegnet sind doch die Kinder von Bullerbü, deren Leben von Liebe und Verständnis getragen wurde und ihnen durch das Licht der Sommersonne reiche Entwicklungsmöglichkeiten gab.


Samstag, 4. Juli 2015

Das zweite Kommen Christi (Teil 2)

Die frohe Botschaft (= das Evangelium) mit anderen teilen
Als ich in der vorigen Woche mit Missionaren zu einer älteren Untersucherin fuhr, fragte ich die Elders nach dem geplanten Thema der Belehrung. Sie wollten es ganz von deren Fragen abhängig machen. An ihrer Stelle hätte ich fragen können, wie der zweite Teil von Mathäus 24 in dieser beunruhigenden Zeit, die sich aktuell in der Griechenlandfrage oder vielleicht auch in der ungewöhnlichen Sommerhitze zeigt, auf uns heute zu beziehen sei. Ich wunderte mich, dass wir in dem späteren Belehrungsgespräch genau darauf zu sprechen kamen. Warum sollte sich auch ein älterer Mensch motivieren lassen, den Bund der Taufe auf sich zu nehmen oder was bewegt einen wie mich, der auch zu den älteren gehört, über geistige Dinge nachzudenken und darüber zu posten?
Liedstrophe als Unterichtshilfe
Wir glauben an den wahren Christus und lassen uns durch seinen Propheten führen. Wenn wir das tun und uns durch das Taufbündnis als Heilige der Letzten Tage zu den Auserwählten zählen dürfen, dann brauchen uns die Zeichen der Zeit nicht beunruhigen. Ezra Taft Benson (Präsident der Kirche von 1985 bis 1994) riet , dem lebenden Propheten zu folgen und sah in dieser Empfehlung den Schlüssel für eine  christlich ausgerichtete Lebensführung. So kann man Matthäus 24:23,24 in der revidierten Fassung von Vers 21-23 als Zuspruch verstehen: "Seht zu, dass ihr euch nicht beunruhigt." (https://www.lds.org/scriptures/pgp/js-m/1?lang=deu)
 Für die Auserwählten wandelt sich auch das Bild vom Blitz (Matthäus 24:27) zum Licht des Morgens (in der revidierten Fassung Vers 26). Der Blitz kommt überraschend, das Licht des Morgens voraussehbar.
Befremdlich ist für mich das Bild vom Aas, zu dem die Geier finden. Es taucht auch in der revidierten Fassung auf, wird dort aber aufgefangen durch die erneute Zusicherung, zu den Auserwählten zu sprechen, die errettet werden, wenn sie sich nicht  überwinden lassen sowie die Erinnerung daran, dass vor dem 2. Kommen Christi das Evangelium erst in aller Welt verkündet werden wird (vgl. Matth. 24: 28 und revidierte Fassung Verse 27-32)
Bilder zum Evangelium, Nr. 238
Auffallend ist dann, dass im Neuen Testament das Kommen des Menschensohns nur in drei Versen 29-31 beschrieben wird, während die revidierte Fassung der Beschreibung dieses Ereignis fünf Verse (33-37) einräumt.
Ein Engel mit Posaune ist den "Auserwählten" vertraut, findet er sich doch auf jedem Tempel der Kirche und kündet von der Sammlung Israels.
Aus den Mahnungen in Hinblick auf das Ende ist vielleicht eine Korrektur der revidierten Fassung wesentlich. Mit dem Bild vom grünenden Feigenbaum ist die Mahnung verbunden, dass das Ende der Welt vor der Tür steht (Matthäus 24:33), Joseph Smith übersetzt aber, dass dann der Menschensohn vor der Tür stehen wird (Vers 39). 
Am Schluss des Kapitels über das zweite Kommen Christi finden wir dann zwei Gleichnisse: Vom wachsamen Hausherrn (revidiert: Hausvater) sowie vom treuen und schlechten Knecht. Bezeichnend ist für mich die familiäre Komponente. Zu allererst sollen wir  für das Wohl unserer Lieben sorgen, nicht in Herrschaftsmanier, sondern in wachsamerer Fürsorge sowie im Bewusstsein eines Knechtes oder Dieners. -
Wie so oft entdecke ich hier Parallelen zu mich prägenden Lebeserfahrungen. Schon als Junge wunderte ich mich über den "christlichen" Brauch vieler Hausherren in meinen Jugendjahren, nach dem Besuch des Sonntagsgottedienstes zum Frühschoppen zu gehen, während die Frauen nach Hause gingen, um das Mittagessen vorzubereiten. Um die Dorfkirche herum, wo ich aufwuchs, befanden sich mehrere Gaststätten. Niemals hat mein Vater diesen Brauch übernommen und deshalb auch nicht an seine Söhne weitergegeben, wofür ich ihm sehr danke.
Insgesamt lässt mich dieses Kapitel aus dem Matthäusevangelium in seiner revidierten Fassung besser verstehen, warum das Evangelium auch dann, wenn uns schwerer Zeiten bevorstehen oder wir diese schon erleben, eine frohe Botschaft auch für ältere Menschen ist oder werden kann. Alles lässt sich besser ertragen, wenn man weiß, dass zwar Schweres droht, dass es aber als notwendiger Bestandteil in jedes Leben eingebettet ist, welches sich letztlich in Herrlichkeit vollenden kann.
Jesus Christus sprach im Vertrauen zu seinen Jüngern über die Zerstörung des Tempels, die ja im übertragenen Sinn auch ihn selbst betraf. Dann sprach er zu uns von den Zeichen der Zeit vor seinem zweiten Kommen und stärkte die "Auserwählten" in dem Bewusstsein, sich durch Schweres nicht beunruhigen zu lassen.